Autoimmunerkrankungen im Fokus

Ernährung und ihr Einfluss auf das Immunsystem

Autoimmunerkrankungen entstehen, wenn das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift. Dazu zählen unter anderem rheumatoide Arthritis, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen und autoimmun bedingte Schilddrüsenerkrankungen. 

Ihre Entstehung beruht auf einem komplexen Zusammenspiel genetischer Veranlagung, äußerer Einflüsse und des Lebensstils. 

Zunehmend rückt dabei auch die Ernährung in den wissenschaftlichen Fokus.

„Ernährung beeinflusst zentrale Prozesse des Immunsystems. Sie wirkt auf Entzündungsreaktionen, den Stoffwechsel und die Zusammensetzung des Darm-Mikrobioms – Faktoren, die den Verlauf autoimmuner Erkrankungen mitbestimmen können“, erläutert Dipl.-Ing. Silvia Bürkle, Ernährungswissenschaftlerin und Mitgründerin von Metabolic Balance.

Entzündungsprozesse erkennen und steuern

Autoimmunerkrankungen verlaufen häufig schubweise und zeigen sehr unterschiedliche Ausprägungen. Symptome wie anhaltende Müdigkeit, Gelenkbeschwerden oder Verdauungsprobleme entwickeln sich oft schleichend und bleiben lange unspezifisch.

Gerade diese Unspezifität erschwert eine frühzeitige Diagnose, weshalb diese Erkrankungen häufig erst erkannt werden, wenn sie bereits fortgeschritten sind oder andere Ursachen ausgeschlossen wurden. 

Im Kern steht meist eine fehlgesteuerte, chronische Entzündungsreaktion. Studien haben jedoch gezeigt, dass bestimmte Nährstoffe Entzündungsprozesse und die Aktivität von Immunzellen beeinflussen können. 

„Omega-3-Fettsäuren aus fettem Seefisch oder pflanzlichen Ölen regulieren entzündliche Signalwege. Vitamine wie D und E unterstützen die Steuerung von Immunreaktionen, während Mineralstoffe wie Zink und Selen essenzielle Funktionen in der Immunabwehr übernehmen“, erklärt Bürkle. 

Ergänzend tragen sekundäre Pflanzenstoffe aus Obst, Gemüse und Kräutern dazu bei, entzündliche Prozesse abzuschwächen. Eine angepasste Ernährung kann die medizinische Therapie unterstützend begleiten.

Individualisierte Ernährungsstrategien

Da Stoffwechsel, Immunreaktionen und Nährstoffbedarf individuell stark variieren, sind standardisierte Diäten bei Autoimmunerkrankungen selten sinnvoll. Blutwerte, Hormonstatus, Darmgesundheit sowie Lebensstilfaktoren wie Stress, Bewegung und Schlaf beeinflussen, wie der Körper auf bestimmte Lebensmittel reagiert. 

„Personalisierte Ernährungskonzepte berücksichtigen diese individuellen Voraussetzungen. Sie zielen nicht auf eine Behandlung der Erkrankung durch Ernährung allein ab, sondern auf die Stabilisierung immunologischer Prozesse und die Unterstützung des allgemeinen Wohlbefindens“, so Bürkle. 

Im Mittelpunkt stehen eine bedarfsgerechte Energiezufuhr, eine ausgewogene Versorgung mit Makro- und Mikronährstoffen sowie die Orientierung an individuellen Voraussetzungen.

Praktische Empfehlungen für den Alltag

Für den Alltag empfiehlt sich eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung mit unverarbeiteten Lebensmitteln. Pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte liefern Ballaststoffe, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe, die die Darmgesundheit fördern.

Ballaststoffe dienen zudem als Nahrungsgrundlage für nützliche Darmbakterien, die aktiv an der Immunregulation beteiligt sind. Präbiotische Lebensmittel, wie Knoblauch oder Zwiebeln, fördern das Wachstum günstiger Bakterien, während fermentierte Produkte, wie Joghurt oder Kimchi, zur Stabilisierung des Mikrobioms beitragen. 

„Ernährungsbezogene Maßnahmen tragen dazu bei, Schübe abzumildern und das allgemeine Wohlbefinden zu stabilisieren. Sie ersetzen jedoch keine ärztlich verordnete Therapie, sondern ergänzen diese sinnvoll“, betont Bürkle abschließend.

Weitere Informationen unter www.metabolic-balance.de