Dating und mentale Gesundheit. Gibt es da einen Zusammenhang?

Wie sich die Suche nach der Liebe nicht zum Fiasko entwickelt

Das Glück lässt sich mit den Fingerspitzen schon greifen – in der Theorie klingen Dating-Apps wie ein Schlaraffenland für Flirtwillige und Singles, ob sie sich nun auf der Suche nach einem Abenteuer oder nach der großen Liebe befinden.

In der Regel lässt sich das Kennenlernen hierbei auf ganz unterschiedliche Art und Weise erleben: Aufregung, Herzklopfen und vor allem gemeinsames Lachen stellen nur eine Auswahl dar.

„Dating darf dabei Spaß machen und beiden Beteiligten guttun. Wer sich nicht an die ‚Etikette‘ hält, agiert also nicht nur unhöflich, sondern tut auch der Psyche des Gegenübers keinen Gefallen. Zu den typischen ‚Red Flags‘ gehört beispielsweise das Ghosting – der plötzliche Kontaktabbruch ohne Erklärung in der Kennenlernphase“, weiß Damian Richter, Lifecoach und Erfolgstrainer.

Laut einer Studie von Parship haben das über 25 Prozent der Partnersuchenden bereits erlebt.[[1]1]

Betroffene klagen häufig, dass es ihnen danach immer schwerer fiel, neuen Kontakten zu vertrauen, was die zukünftige Suche natürlich erschwert.

Gefahrenzeichen rechtzeitig erkennen

Sich in der Welt des Datings und vor allem des Online-Datings zurecht zu finden, gestaltet sich nicht immer einfach.

Neben Aufregung, Spaß und Schmetterlingen im Bauch können Tinder, Bumble und Co. auch für Selbstzweifel, Überforderung und Entmutigung sorgen. Schließlich gelten Ablehnungen und Oberflächlichkeit als feste Bestandteile von diesen Apps.

„Natürlich sind sie nicht von Natur aus schlecht, jeder kennt bestimmt ein glückliches Pärchen, das sich beispielsweise auf Tinder kennengelernt hat. Jedoch kommt es auch auf die Art und Weise der Nutzung an, ob wir unser Selbstbewusstsein zerstören oder aufbauen lassen“, so Richter.

Es entpuppt sich oftmals als schwierig, jemanden richtig einzuschätzen, besonders wenn man sich gerade erst kennenlernt.

Laut einer Umfrage der Dating-App Bumble gibt es allerdings einige Zeichen, bei denen die Alarmglocken klingeln sollten: So würden 40 Prozent der Befragten keine ernsthafte Beziehung mit einer Person eingehen wollen, die sich gegen Gleichberechtigung stellt.

Bei den Frauen gilt das sogar für mehr als jede Zweite (58 Prozent).[[2]2] Bei einer sexistischen Einstellung ist bei mehr als jeder vierten Person Schluss. Einen noch höheren Stellenwert als dieses Thema hat jedoch der gute alte Humor – 61 Prozent geben an, dass eine Person, die nicht über sich selbst lachen kann, für sie nicht für eine ernsthafte Beziehung infrage kommt.[[3]3]

Dating darf nicht den Alltag bestimmen

Wer keine gesunde Beziehung zu Dating-Apps hat, läuft Gefahr, bestehende psychische Probleme wie Stress, Angst oder Schwierigkeiten mit dem Körperbild zu verschlimmern. Um dies zu vermeiden, gilt es ein paar Dinge zu beachten.

Da es nur eine begrenzte Menge an Informationen und Bildern gibt, die Suchende in ihr Profil integrieren können, kann es passieren, dass sie oder er sich irgendwann nur noch als Summe ihres oder seines Profils sieht. Dieses gibt jedoch nur einen kleinen Einblick in die Person, um die es sich handelt.

„Wir dürfen immer daran denken, dass das Erlöschen eines Matches keine Ablehnung unserer gesamten Person ist. Zudem darf die auf Dating-Apps verbrachte Zeit eingegrenzt werden, weil es so leichter fällt, in all der unbegrenzten Auswahl nicht den Überblick zu verlieren“, erklärt der Lifecoach. „Somit nimmt das Swipen nicht den ganzen Tag ein und Singles finden noch Zeit für andere Hobbys und Aktivitäten, denen sie nachgehen können, um nicht vollständig vom Online-Dating eingenommen zu sein.“

Negative Erlebnisse gehören dazu

Natürlich wollen alle ihre Traumprinzessin oder ihren Traumprinzen kennenlernen, aber die Suche nach der Liebe darf vor allem eins: Spaß machen!

„Wer bemerkt, dass sie jedoch mehr Stress als Freude bereitet, darf sich auf Achtsamkeitsübungen und Selbstliebe konzentrieren. Das Praktizieren von Selbstfürsorge kann helfen, Stress abzubauen, die Stimmung zu verbessern und eine gesunde Beziehung zu unterstützen“, rät Richter.

Wer unangenehmen Gefühlen wie Ablehnung, Traurigkeit oder Scham gegenübersteht, dem fällt es oftmals leichter, sie zu unterdrücken, als sich damit auseinanderzusetzen.

Doch auch diese Gefühle sind Teil des Lebens.

„Ablehnung gehört zum Dating dazu – egal ob das Treffen virtuell oder persönlich stattfindet –, also dürfen wir darauf achten, dass es in Ordnung ist, sich verletzt zu fühlen, wenn sich eine Situation nicht so entwickelt hat, wie wir es uns erhofft haben“, so Richter.

Doch es gilt auch zu beachten: Wer eine negative Erfahrung mit jemandem in einer Dating-App gemacht hat oder sich bei der Nutzung von diesen Portalen niedergeschlagen fühlt, der legt das Handy zu Seite und löscht die App kurzzeitig. So können sich Singles von negativen Erlebnissen distanzieren und sich wieder Zeit für die schönen Dinge im Leben nehmen.

Weitere Informationen unter www.damian-richter.com.

Quellen:
[1] Parship-Studie mit dem Marktforschungsinstitut INNOFACT AG, Januar 2022.
[2] „Romance Reports“ der Dating-App Bumble, 2021.
[3] Ebd.