Der beherzte Griff in die Hausapotheke
Wann welche Schmerzmedikamente bei Rückenschmerzen helfen und wann nicht
Verspannungen, Reizungen von Muskeln, Sehnen und Bändern oder Erkrankungen im Rücken verursachen Beschwerden vom Hals bis zur Lende und schränken Betroffene im Alltag ein.
„Viele Menschen greifen bei Rückenschmerzen direkt auf Medikamente in Form von Tabletten oder Salben zurück“, berichtet Dr. Munther Sabarini, Gründer und Leiter der Avicenna Klinik in Berlin. „Dabei bergen Schmerzmittel insbesondere bei einer dauerhaften Einnahme Risiken und wirken mitunter nicht effektiv gegen die Beschwerden.“
Er erklärt, welche Schmerzmittel sich eignen und mit welchen Nebenwirkungen zu rechnen ist.
Für die Hausapotheke
Medikamente wirken unterschiedlich: schmerzlindernd, muskelentspannend oder entzündungshemmend. Viele sind frei in der Apotheke erhältlich. Die bekanntesten Wirkstoffe in Tablettenform sind Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen und gehören zu den sogenannten NSAR (nichtsteroidales Antirheumatikum).
„Sie sind in niedriger Dosis nicht verschreibungspflichtig und lindern häufig akute Beschwerden zuverlässig und schnell. Allerdings sind die Nebenwirkungen nicht zu unterschätzen. Sie können unter anderem bei längerfristiger Anwendung Magengeschwüre begünstigen und sollten daher bei einem empfindlichen Magen nicht eingesetzt werden“, erklärt Dr. Sabarini. „Im schlimmsten Fall verursachen sie Magenblutungen, Perforationen und Ulcera. Dies führt zu etwa 2.200 Todesfällen pro Jahr in Deutschland.“
Ebenfalls Herzbeschwerden und erhöhter Blutdruck können zu den Nebenwirkungen zählen.
Schmerzsalben mit den gleichen Wirkstoffen in Kombination mit durchblutungsfördernden Inhaltsstoffen helfen vor allem bei Muskelverspannungen. Zwar ist ihre Wirkung als Salbe geringer und sie können Hautreaktionen auslösen, dafür wird der Magen-Darm-Trakt geschont.
Zudem ist es wichtig, nach dem Auftragen die Hände zu waschen, damit die Stoffe nicht mit Schleimhäuten in Kontakt kommen.
Bei entzündlichen Schmerzursachen ist darauf zu achten, eher Kühlpacks einzusetzen.
Acetylsalicylsäure, vielen als Aspirin bekannt, ist wegen der stärkeren Nebenwirkungen nur eingeschränkt zu empfehlen und die Wirksamkeit von Paracetamol bei Rückenschmerzen ist umstritten.
„Pflanzliche Schmerzmittel sind ebenfalls eine gute Ergänzung in der Hausapotheke und können auf die Haut aufgetragen schmerzlindernd wirken und gegen Entzündungen helfen“, so Dr. Sabarini. „Auch die Wurzel der Teufelskralle kann als Salbe oder Tee Rückenleiden vermindern. Vor einer Anwendung sollten allerdings mögliche Allergien gegen die Wirkstoffe ärztlich abgeklärt sein. Zudem ist es ratsam, parallel mit physiotherapeutischen Maßnahmen zu beginnen.“
Verschreibungspflichtige Medikamente
Stärkere Medikamente sind nur über ein Rezept vom Arzt erhältlich und werden nur dann eingesetzt, wenn andere Behandlungen nicht ausreichen.
So beispielsweise entzündungshemmende Medikamente wie Novalgin oder Opioide wie Morphin, die viele Arten von akuten Schmerzen schnell lindern können.
Injektionen mit schmerzlindernden Medikamenten oder örtlichen Betäubungsmitteln, mit oder ohne Kortison, können gereizte Nervenwurzeln, Sehnen oder Bänder in ihrem natürlichen Heilungsprozess unterstützen.
Sogenannte Muskelrelaxanzien, die auf die Muskeln oder das zentrale Nervensystem wirken, lassen sich zur Entspannung von Muskeln einsetzen. Verschreibungspflichtige Schmerzmittel können jedoch starke Nebenwirkungen auslösen.
Wirkstoffe aus der Gruppe der Opioide oder Benzodiazepine machen in vielen Fällen sogar körperlich abhängig.
„Schmerzmittel bekämpfen vorrangig die Symptome, nicht aber die eigentliche Ursache des Schmerzes“, erklärt Dr. Sabarini. „Daher ist eine genaue Diagnose beim Arzt bei akuten, lang andauernden oder wiederkehrenden Rückenschmerzen notwendig.“
Mit einer Behandlung der Ursache, etwa durch Bewegungstherapien oder minimalinvasive Eingriffe, lassen sich die Beschwerden langfristig beheben, sodass eine dauerhafte Medikation nicht notwendig ist.
„Gerade weil Schmerzmittel mit zahlreichen Nebenwirkungen einhergehen, darf eine medikamentöse Schmerzbehandlung nicht als alleinige Therapie durchgeführt werden, sondern dient als vorübergehende Maßnahme, bis die Ursache der Rückenschmerzen geklärt ist, oder sie erfolgt ergänzend zu einer Physiotherapie oder begleitend nach einer Operation“, betont Dr. Sabarini.
Der Facharzt empfiehlt, stets aktiv zu bleiben, sich zu bewegen und bei Schmerzen in keine Schonhaltung zu fallen. Dies gehört zu den wirksamsten Dingen, die jeder Mensch selbst für seine Rückengesundheit leisten kann.
Wer gern mehr erfahren möchte, findet weitere Informationen unter https://avicenna-klinik.com