Wie Integrative Medizin hilft - Kasuistik Rheuma (Rheumatoide Arthritis)
Ein Fallbeispiel der Integrativen Medizin zum Thema Rheuma zeigt die Anwendungsmöglichkeiten komplementärer Therapieverfahren in der Behandlung.
Rheumatoide Arthritis oder „Rheuma“ gehört zu den großen chronischen Krankheiten und gilt als „globale Gesundheitsbedrohung“.[1]
In Deutschland sollen geschätzt 700.000 Erwachsene davon betroffen sein, weltweit etwa 18 Millionen Menschen.[2]
Unbehandelt kann die damit verbundene Entzündung zu einer Zerstörung der betroffenen Gelenke führen.
Wie erfolgreich Integrative Medizin bei dieser Indikation helfen kann, schildert Prof. Dr. André-Michael Beer in diesem Fallbeispiel.
Der ehemalige langjährige Direktor der Klinik für Naturheilkunde an der Klinik Blankenstein in Hattingen (NRW) gehört dem Beirat der Initiative GESUNDE VIELFALT an. Ein Beitrag zum Weltgesundheitstag am kommenden Dienstag.
Relevanz
Rheumatoide Arthritis, landläufig oft einfach nur „Rheuma“ genannt, ist eine Volkskrankheit. Schätzungen zufolge sollen in Deutschland 700.000 Erwachsene sowie etwa 15.000 Kinder davon betroffen sein.
Die Erkrankung nimmt meist einen chronischen Verlauf und kann unbehandelt zu einer Zerstörung der betroffenen Gelenke führen. Moderne Therapien sind kostenintensiv und nutzen Biologika, biotechnologisch produzierte Medikamente, die nicht nebenwirkungsfrei sind.
Diagnose
Monika Schmid, 69 Jahre alt, leidet an entzündlichem Gelenkrheuma in den Hand-, Finger-, Knie-, Sprung- und Zehengelenken.[3] Die Erkrankung hat bei der stationären Aufnahme in die Klinik für Naturheilkunde an der Klinik Blankenstein in Hattingen das Endstadium (Stadium IV) erreicht – mit schweren Gelenkschäden und weitgehender Versteifung.
Aus diesem Grund hat Frau Schmid eine reaktive Depression entwickelt. Immer häufiger zieht sie sich aufgrund ihrer Erkrankung aus sozialen Kontakten zurück, was die depressive Symptomatik noch verstärkt.
Konventionelle Therapie
Der Hausarzt hat das Rheuma bisher mit konventionellen, chemisch-synthetischen Medikamenten behandelt. Dennoch haben sich die Entzündungen in den Gelenken verstärkt.
Integrativmedizinische, naturheilkundliche Komplextherapie
- Ernährungstherapie: zehntägiges Heilfasten
- Bewegungstherapie: intensive Krankengymnastik, Atemtherapie und warmes Moorkneten
- Hydro-/Thermotherapie (Wasser- und Wärmetherapie): täglich Kneipp’sche Güsse und Moorbäder
- Phytotherapie (Pflanzenheilkunde): Einnahme von antientzündlich wirkendem und schmerzlinderndem Weidenrindenextrakt; Einreibungen der Gelenke mit ebenfalls antientzündlich wirkendem Moorextrakt-Fertigpräparat. Dreimal wöchentlich subkutane Injektionen mit Herbstzeitlosenextrakt an den Gelenken sowie Quarkpackungen. Unterstützung des Leberstoffwechsels mit Mariendistelextrakt.
- Ordnungstherapie: Einzel- und Gruppengespräche
- Zusätzlich Vitamininfusionen, Akupunktur sowie Blutegeltherapie.
- Lavendelöl-Fußbäder und Einnahme von Johanniskrautextrakt, kombiniert mit täglicher Lichttherapie, zur seelischen Stabilisierung und Linderung der Depression.
Ergebnis der naturheilkundlichen Therapie
Unter dieser umfassenden naturheilkundlichen Behandlung kommt es zu einer deutlichen Schmerzlinderung, die Gelenke werden beweglicher, und die Greiffähigkeit nimmt signifikant zu.
Die Stimmungslage von Frau Schmid bessert sich wesentlich. Zugleich ist es möglich, die Kortikoid-Medikation und andere schmerzlindernde konventionelle Medikamente zu reduzieren.
FAZIT
Bei Erkrankungsbildern wie der rheumatoiden Polyarthritis führen gerade moderne medikamentöse Therapieansätze nicht immer zur gewünschten Wirkung und sind mit einer Reihe von Nebenwirkungen behaftet.
Begleitend zur leitliniengerechten Standardtherapie lassen sie sich jedoch mit klassischen Naturheilverfahren erfolgreich mitbehandeln: Viele Patienten sind im Anschluss für sechs Monate bis ein Jahr beschwerdefrei.
Vor allem stationär kann durch intensive, tägliche Krankengymnastik und Wärmebehandlungen eine Ressourcenaktivierung der Selbstheilungskräfte erreicht werden.
Vita Prof. Dr. André-Michael Beer
Prof. Dr. med. André-Michael Beer ist im Sommer 2024 nach 27 Jahren als erster Direktor der Klinik für Naturheilkunde an der Klinik Blankenstein in Hattingen in den Ruhestand gegangen.
Er ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Zusatzbezeichnungen erlangte er für Naturheilverfahren, Physikalische Medizin, Rehabilitationswesen, Balneologie und medizinische Klimatologie sowie Zusatzqualifikationen in Akupunktur, Notfallmedizin und psychosomatische Medizin.
2004 habilitierte er sich als erster Mediziner nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland an einer staatlichen Universität (Ruhr-Universität Bochum) auf dem Gebiet der Naturheilkunde und lehrte dort Naturheilverfahren und Physikalische Medizin.
Den Vorsitz im Ausschuss für Wissenschaft, Forschung und Entwicklung im Deutschen Heilbäderverband führt er bis heute.
Über „Gesunde Vielfalt“
Die Initiative „Gesunde Vielfalt“ ist ein unabhängiger Zusammenschluss von Experten und Expertinnen unterschiedlicher Therapieformen. Unser Ziel ist, das Zusammenwirken von konventionellen und komplementären Therapien – sprich: die Integrative Medizin – stärker in den Vordergrund der Diskussion zu rücken, um notwendige Verbesserungen des Gesundheitssystems anzustoßen.
Wir stehen dabei für den gegenseitigen Respekt der Therapieformen und Heilberufe.
Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern ein Sowohl-als-auch. Wir setzen uns für einen Paradigmenwechsel ein: Der Patient, die Patientin muss zum gleichberechtigten Akteur neben dem Arzt, der Ärztin werden, um das Gesundheitswesen nachhaltig zu reformieren.
Der Schwerpunkt unserer Arbeit liegt auf der Information und Aufklärung der Öffentlichkeit, der Nähe zur Praxis und Vernetzung von Ärztinnen, Ärzten, Apothekerinnen und Apothekern und Heilberufen im Sinne der Patientinnen, der Patienten. Wir verstehen uns als Plattform und Impulsgeber für einen ideologiefreien, offenen Diskurs um die Verbesserung des Gesundheitswesens in Deutschland.
Wer gern mehr erfahren möchte, schaut bitte direkt unter https://www.gesundevielfalt.org
Quellen:
[1]https://www.rheumaguide.de/artikel/therapie/2024/03/pravalenz-inzidenz-und-krankheitslast-der-rheumatoiden-arthritis-werden-global-weiter-zunehmen
[2]https://www.dgrh.de/finden/presse/daten-und-fakten und
https://www.aerzteblatt.de/news/rheumatoide-arthritis-weltweit-haufiger-32ef6c85-c8a6-4842-a87c-7cfe74b6131d
[3]Name redaktionell geändert