"Volkskrankheit" Schmerz?

Deutsche Schmerzgesellschaft e. V.: "Studie bestätigt Handlungsbedarf und liefert Daten für eine differenzierte Versorgungsplanung"

"Die Planung der schmerzmedizinischen Versorgung von Patienten in Deutschland muss auf Basis von verlässlichen epidemiologischen Daten beruhen.", so Prof. Dr. Dr. Thomas R. Tölle, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V. anlässlich der aktuellen Veröffentlichung von Ergebnissen einer Studie zur Häufigkeit chronischer Schmerzen in einer repräsentativen Stichprobe der deutschen Bevölkerung.

Die Forschungsergebnisse wurden aktuell in "DER SCHMERZ", der renommierten wissenschaftlichen Fachzeitschrift im Hause Springer, veröffentlicht.

Ein Autorenteam um PD Dr. Winfried Häuser hat im Auftrag der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Schmerztherapie (DIVS) auf Basis höchster methodischer Standards eine bezüglich der allgemeinen deutschen Bevölkerung repräsentativen Studie (vgl. Original-Publikation und Editorial in der pdf-Anlage) durchgeführt sowie die publizierte Literatur über Daten und Fakten gesichtet.

"Die neuen Analysen zeigen, dass etwa 23 Mio. Deutsche (28 %) über chronische Schmerzen berichten, 95 % davon über chronische Schmerzen, die nicht durch Tumorerkrankungen bedingt sind. Die bisher geschätzten Prävalenzraten von 15-25 % sind daher sogar eher zu gering als zu groß.", so Prof. Dr. Dr. Tölle, Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft e.V.

"Damit sehen sich die jahrelangen Bemühungen der Schmerzgesellschaft bestätigt, auf das Problem nachdringlich aufmerksam zu machen. Das besondere der vorliegenden Arbeit ist, dass die bisherigen "Experten-Schätzungen" nunmehr durch repräsentative Daten für Deutschland bestätigt werden können.", so der Schmerz-Präsident weiter.

Dies ist eine gute Grundlage, um die konkrete Versorgung der deutschen Bevölkerung zu planen.

Das erhobene Datenmaterial erlaubt aber darüber hinaus auch eine differenziertere Beurteilung des Grades der Belastung durch chronischer Schmerzen.

So liegt die Zahl chronischer, nicht tumorbedingter Schmerzen mit starker Beeinträchtigung und assoziierten psychischen Beeinträchtigungen (Schmerzkrankheit) bei 2,2 Mio. Deutschen.

"Diese Zahlen zeigen: Eine abgestufte Versorgungsplanung ist nötiger denn je, denn für alle Schmerzpatienten muss eine für ihre persönliche Beeinträchtigung angemessene Versorgung vorgehalten werden. Hier müssen alle Akteure des Gesundheitswesens und der Gesundheitspolitik an einem Strang ziehen.", so Prof. Tölle.

Und:
"Die Zufriedenheit mit der aktuellen Schmerztherapie ist bei einem Teil der Betroffenen gering: 24,2 Prozent der Menschen mit chronischen Schmerzen in einer Schmerzbehandlung sind (sehr) unzufrieden, hier gibt es noch viel Forschungs- aber auch Handlungsbedarf", so Prof. Tölle weiter.

Hier die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

  • In der für die Bevölkerung in Deutschland repräsentativen Studie gaben rund 28 % der Teilnehmer ständige oder häufig auftretende Schmerzen in den letzten 3 Monaten an, 5 % von diesen hatten gleichzeitig eine Krebserkrankung und wurden in den weiteren Analysen nicht weiter verfolgt.

  • 19,5 Prozent der Teilnehmer hatten chronische, aber nicht beeinträchtigende Schmerzen. 7,4 Prozent der Teilnehmer erlebten diese Schmerzen als beeinträchtigend. Insgesamt 2,2 % der Teilnehmer hatten zusätzlich zu den beeinträchtigenden Schmerzen noch eine vermehrte psychische Symptombelastung (Schmerzkrankheit).

  • In Zahlen: 22 Mio. der Deutschen erfüllen die Kriterien eines chronischen, nicht tumorbedingten Schmerzes. Legt man die "Messlatte" der Beeinträchtigung durch die Schmerzen zugrunde, so erfüllen 6 Mio. Deutsche die Kriterien eines chronischen, nicht tumorbedingten, beeinträchtigenden Schmerzes und 2,2 Mio. sogar die Kriterien einer nicht tumorbedingten Schmerzkrankheit.

  • Die Zufriedenheitswerte mit der aktuellen Schmerztherapie sind unzureichend: 24,2 Prozent der befragten Teilnehmer mit chronischen Schmerzen in einer Schmerzbehandlung waren (sehr) unzufrieden.

Ergänzend zur Originalarbeit publiziert "DER SCHMERZ" im Editorial (vgl. Anlage) eine kritische Reflexion der oben wiedergegebenen Daten und Fakten.

Wer gern mehr erfahren möchte, findet weitere Informationen direkt unter www.dgss.org