Das Darmmikrobiom - Bedeutung und Möglichkeiten in der Krebstherapie

Das Darmmikrobiom rückt zunehmend in den Fokus der medizinischen Forschung.

Studien zeigen, dass die Mikroorganismen im Darm an wichtigen Funktionen des Immunsystems, des Stoffwechsels und der Darmschleimhaut beteiligt sind.

Diese Botschaft wirkt in zwei Richtungen: Menschen, die etwas für ihre Gesundheit tun möchten, können auch die Bedeutung einer vielfältigen und verträglichen Ernährung für das Darmmikrobiom in den Blick nehmen. Für Menschen mit einer chronischen Erkrankung oder einer Krebserkrankung kann dies ein Ansatz sein, die eigene Gesundheit und Lebensqualität unterstützend zu fördern.

Ein großes Anliegen der GfBK – Gesellschaft für Biologische Krebsheilkunde e. V. – ist es, Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Patientinnen und Patienten, auch Krebsbetroffene, immer Möglichkeiten haben, selbst etwas zu ihrer Gesundheit und Lebensqualität beizutragen, auch und gerade, wenn eine komplette Genesung nicht möglich ist.

Die Forschung zeigt zunehmend bedeutsame Zusammenhänge zwischen dem Darmmikrobiom und bestimmten Bereichen der Krebsmedizin. Besonders intensiv untersucht wird derzeit, welchen Einfluss das Darmmikrobiom auf das Ansprechen auf Immuntherapien sowie auf den Verlauf einer allogenen Stammzelltransplantation haben kann. 

Auch bei Darmkrebs gibt es  relevante wissenschaftliche Erkenntnisse. Dennoch steht die gezielte Beeinflussung des Mikrobioms als Bestandteil einer Krebstherapie in vielen Bereichen noch am Anfang. 

Dr. med. Nicole Weis (Vizepräsidentin und beratende Ärztin der GfBK) ordnet den Stand der Wissenschaft für die Praxis ein: „Die Forschung zum Darmmikrobiom ist vielversprechend. 

Daraus folgt jedoch nicht, dass Patientinnen und Patienten eigenständig spezielle Mikrobiom-Präparate einsetzen sollten. Gerade bei Krebs, einer geschwächten Immunabwehr oder im Umfeld einer Stammzelltransplantation können solche Eingriffe Risiken bergen.“ 

Eine abwechslungsreiche, pflanzenbetonte und ballaststoffreiche Ernährung kann das Darmmikrobiom grundsätzlich unterstützen, sofern sie zur individuellen Erkrankungs- und Behandlungssituation passt und medizinisch möglich ist. Bei ausgeprägter Immunschwäche, Beschwerden des Verdauungstrakts oder besonderen Ernährungsvorgaben sollte die Ernährung mit dem Behandlungsteam abgestimmt werden.

Auch Antibiotika sollten bewusst und gezielt eingesetzt werden. Wenn sie zur Behandlung oder Vorbeugung einer Infektion medizinisch notwendig sind, dürfen sie jedoch nicht vermieden werden.

Der Aufruf geht daher an alle therapeutisch Tätigen, das Darmmikrobiom in seiner Bedeutung anzuerkennen und Patientinnen und Patienten verständlich darüber zu informieren, welche Möglichkeiten, aber auch welche Grenzen derzeit bestehen. So kann das Darmmikrobiom als relevanter Gesundheitsaspekt in die begleitende Beratung einbezogen werden, ohne daraus bereits eine allgemein etablierte mikrobiomgerichtete Krebstherapie abzuleiten.

Dies gilt insbesondere für Patientinnen und Patienten, die eine Immuntherapie erhalten oder sich einer allogenen Stammzelltransplantation unterziehen. In diesen Bereichen zeigen Studien besonders deutliche Zusammenhänge zwischen dem Darmmikrobiom und klinischen Behandlungsergebnissen.

Die Gesellschaft für Biologische Krebsheilkunde e. V. (GfBK)
ist ein unabhängiger, gemeinnütziger Verein, der seit über 40 Jahren Krebspatienten, Angehörige und Therapeuten unterstützt. Mit über 13.000 Mitgliedern, Förderern und Spendern ist sie die größte Beratungsorganisation für ganzheitliche Medizin gegen Krebs im deutschsprachigen Raum.

Die GfBK setzt sich ein für eine individuelle, menschliche Krebstherapie, in der naturheilkundliche Methoden besonders berücksichtigt werden. Sie fördert die Selbstbestimmung und Eigenverantwortung der Patientinnen und Patienten. Die Gesellschaft berät kostenfrei und unabhängig über biologische Therapieverfahren. 

Die GfBK besitzt eine hohe fachliche Expertise in der komplementären Krebstherapie und nimmt fachlich Stellung zu bewährten und neuen therapeutischen Verfahren. 

Die Arbeit wird ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge und private Spenden finanziert. Die GfBK hat die Selbstverpflichtungserklärung (SVE) der Initiative Transparente Zivilgesellschaft (ITZ) unterzeichnet.

Weitere Informationen erhalten Sie auch direkt unter www.biokrebs.de  

Für die Praxis

GfBK Therapie-Info zur Darmregulation als Basistherapiebaustein für Krebsbetroffene
https://www.biokrebs.de/images/download/Therapie_Infos/Darmregulation.pdf 

Vitamin D – protektiv für Mikrobiom und Darmwandfunktion
https://www.biokrebs.de/images/download/Therapie_Infos/Vitamin_D.pdf 

Überblick „Kraft aus dem Darm – raus aus der Erschöpfung“
https://www.biokrebs.de/artikel/kraft-darm 

Referenzen aus der Wissenschaft

Analysis of Fusobacterium persistence and antibiotic response in colorectal cancer
Susan Bullmann et al., Science 2017, Vol 358, Issue 6369
https://www.science.org/doi/10.1126/science.aal5240 

Insights into the Relationship Between the Gut Microbiome and Immune Checkpoint Inhibitors
in Solid Tumors, Sona Cernikova et al., Cancers 2024, 16(24), 4271;
https://doi.org/10.3390/cancers16244271