Wenn Lehrkräfte ausgebrannt sind, leidet auch der Unterricht
Meta-Analyse von Wissenschaftler*innen der Humboldt-Universität zeigt, wie Burnout bei Lehrkräften mit dem Unterricht und der Motivation von Schüler*innen zusammenhängt.
Das Wohlbefinden von Lehrer*innen ist eine zentrale Voraussetzung für die Qualität von Unterricht und die Motivation von Schüler*innen. Hohe berufliche Anforderungen, Erschöpfung und Burnout können dagegen dazu führen, dass Lehrkräfte trotz ausgeprägter pädagogischer Kompetenzen und fachlichem Wissen, diese Ressourcen nicht vollständig abrufen können. Dies bestätigt eine Meta-Analyse von Wissenschaftler*innen der Humboldt-Universität zu Berlin (HU). Sie ist im Sommer in der Fachzeitschrift Review of Educational Research erschienen.
Für die Studie werteten die Forschenden unter der Leitung von Dr. Gyde Wartenberg, Postdoktorandin im Arbeitsbereich Pädagogische Psychologie von Prof. Uta Klusmann am Institut für Erziehungswissenschaften der HU, 86 Studien mit insgesamt 38.457 Lehrkräften aus. Ziel war es, bisherige Forschungsergebnisse systematisch zusammenzuführen und zu untersuchen, wie stark Burnout-Symptome mit verschiedenen Aspekten des beruflichen Handelns und der Entwicklung von Schüler*innen zusammenhängen.
Wenn Burnout im Klassenzimmer sichtbar wird
Die Studie belegt, Lehrkräfte, die stärker unter Burnout leiden, bieten ihren Schüler*innen im Durchschnitt weniger emotionale Unterstützung, führen Klassen weniger effektiv und gestalten den Unterricht kognitiv weniger anregend. Das bedeutet beispielsweise, dass es ihnen schwerer fallen kann, eine unterstützende Lernatmosphäre zu schaffen, Störungen vorzubeugen oder Schüler*innen durch anspruchsvolle Fragen zum Nachdenken anzuregen.
„Besonders aussagekräftig ist, dass sich diese Zusammenhänge nicht nur in den Einschätzungen der Lehrkräfte selbst zeigten. Auch Schüler*innen und externe Beobachter*innen nahmen Unterschiede im Unterrichtsverhalten wahr“, sagt Dr. Gyde Wartenberg. „Das unterstreicht, dass das Wohlbefinden von Lehrkräften nicht allein eine persönliche Angelegenheit ist, sondern auch im Unterricht sichtbar wird.“
Zudem zeigte sich: Lehrkräfte, die unter Burnout-Symptomen leiden, fehlen häufiger krankheitsbedingt bei der Arbeit. Das kann die ohnehin angespannte Personalsituation an Schulen zusätzlich verschärfen und die Gestaltung verlässlicher Lernumgebungen erschweren.
Auch die Motivation der Schüler*innen ist beeinträchtigt
Die Meta-Analyse untersuchte außerdem, ob Burnout-Symptome von Lehrkräften mit der Motivation und den schulischen Leistungen ihrer Schüler*innen zusammenhängen. Über die verfügbaren Studien hinweg zeigte sich ein negativer Zusammenhang zwischen der emotionalen Erschöpfung von Lehrkräften und der Motivation der Schüler*innen. Auch die Schüler*innen selbst sowie externe Beobachter*innen nahmen weniger Interesse bei emotional erschöpften Lehrkräften wahr.
Für die schulischen Leistungen ließ sich dagegen kein vergleichbar einheitlicher Zusammenhang nachweisen. Weitere Forschung ist daher notwendig, um besser zu verstehen, unter welchen Bedingungen das Wohlbefinden von Lehrkräften mit dem Lernerfolg zusammenhängt.
Dabei ist eine wichtige Einschränkung zu beachten: Die Meta-Analyse zeigt Zusammenhänge, erlaubt aber keine eindeutigen Aussagen darüber, was Ursache und was Wirkung ist. So ist denkbar, dass Burnout-Symptome die Unterrichtsgestaltung erschweren. Gleichzeitig können herausfordernde Unterrichtssituationen und eine geringe Schüler*innen-Motivation das Wohlbefinden von Lehrkräften beeinträchtigen.
Dennoch ergibt sich aus den Ergebnissen ein klarer Handlungsbedarf: „Das Wohlbefinden von Lehrkräften ist eine wichtige Voraussetzung für ein funktionierendes Bildungssystem. Wir brauchen Lehrkräfte, die langfristig gesund bleiben und ihren Beruf engagiert ausüben können“, betont Dr. Gyde Wartenberg.
Lehrkräfte sollten bereits in der Ausbildung auf die sozial-emotionalen Herausforderungen ihres Berufs vorbereitet und während ihres gesamten Berufslebens unterstützt werden. Dafür braucht es wirksame Präventions- und Interventionsangebote, die für Lehrkräfte niedrigschwellig erreichbar sind. Auch die Schulen und die Bildungspolitik sind gefragt, geeignete Rahmenbedingungen sowie ausreichend zeitliche und finanzielle Ressourcen zu schaffen.
Quelle:
Humboldt-Universität zu Berlin - Mitteilung vom 5. November 2026
Weitere Informationen
Wartenberg, G., Aldrup, K., Grund, S., & Klusmann, U. (2026). How Strongly Is Teachers’ Burnout Related to Teacher Absenteeism, Teacher–Student Interactions, and Student Motivation and Achievement: A Meta-Analysis and Systematic Review. Review of Educational Research DOI