„Bahnbrechende” Psilocybin-Therapie gegen Depression wird ausgebremst

Ein Kommentar von Dr. jur. Can Ansay, CEO von DrAnsay

Mehr als fünf Millionen Erwachsene erkranken hierzulande innerhalb eines Jahres an einer Depression. Trotzdem bleibt eine vielversprechende neue Therapie für fast alle unerreichbar, obwohl sie bereits erlaubt ist. Warum Psilocybin endlich evidenzbasiert statt ideologisch reguliert werden muss, kommentiert Dr. jur. Can Ansay, CEO von DrAnsay:

„Deutschland weiß längst, dass Psilocybin, der Wirkstoff aus „Zauberpilzen“, medizinisch helfen kann, behandelt den Wirkstoff aber weiter wie ein Tabu. Seit Juli 2025 dürfen zwei Einrichtungen in Deutschland, das Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim und die OVID Clinic Berlin, Patienten mit therapieresistenter Depression im Rahmen eines genehmigten Härtefallprogramms mit Psilocybin behandeln. Insoweit hatte zuvor die USA Psilocybin bereits als „Bahnbrechende Therapie“ zugelassen. Das deutsche Programm läuft weiterhin. Und trotzdem bleibt der Zugang extrem begrenzt. Es wurde also bereits anerkannt, dass Psilocybin medizinisch eingesetzt werden kann. Gleichzeitig behandeln wir den Wirkstoff rechtlich weiterhin als nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel der Anlage I. 

Eine reguläre ärztliche Verschreibung ist damit ausgeschlossen. Das ist für mich ein Widerspruch! 

Besonders absurd ist die Größenordnung: In Deutschland erkranken innerhalb eines Jahres rund 5,3 Millionen Erwachsene an einer Depression.1 Für das Psilocybin-Programm waren zu Beginn aufgrund begrenzter Ressourcen nur etwa 50 Patienten pro Jahr vorgesehen.2 

Diese Zahl war keine gesetzliche Obergrenze, sondern schlicht eine Kapazitätsfrage.

Die Evidenz rechtfertigt längst, Psilocybin ernst zu nehmen. In der deutschen EPIsoDE-Studie mit 144 Patienten mit therapieresistenter Depression zeigten nach zwölf Wochen rund 30 Prozent ein Therapieansprechen.3 

Das ist natürlich keine Wunderheilung. Aber bei Menschen, denen bestehende Therapien nicht ausreichend helfen, ist es ein sehr starkes Signal. Deshalb gehört Psilocybin aus der reinen Verbotslogik heraus. Nicht in den freien Verkauf, sondern in einen klar regulierten medizinischen Rahmen.

Mit ärztlicher Kontrolle, Qualitätsstandards und klaren Indikationen. Zur medizinischen Selbstbestimmung gehört für mich, dass ein aufgeklärter Patient* gemeinsam mit seinem Arzt über medizinisch vertretbare Behandlungsoptionen entscheiden kann. Dieses Recht ist wenig wert, wenn eine Therapie theoretisch möglich ist, praktisch aber nur an zwei Standorten für sehr wenige erreichbar bleibt.

Deutschland erlaubt Psilocybin also bereits als Therapie für ausgewählte Härtefälle. Der Schritt aus der Ausnahme in eine reguläre Versorgung ist aber noch längst nicht vollzogen. 

Warum wird diese Arznei Millionen Depressiven vorenthalten? 

Es muss sofort als normale rezeptpflichtige Arznei klassifiziert werden, damit es auch von Ärzten einfach verschrieben werden kann. Deutschland hat hier kein Erkenntnisproblem mehr. Wir haben ein Umsetzungsproblem. Daher werde ich gemeinnützig dafür kämpfen, dass Psilocybin als Medizin aus der politischen und regulatorischen Sackgasse kommt.“

Dr. jur. Can Ansay ist Gründer und CEO von DrAnsay sowie Pionier der digitalen Gesundheitsversorgung. Seit 2018 entwickelt er telemedizinische Lösungen mit dem Ziel, medizinische Versorgung einfacher, schneller und patientenorientierter zu gestalten. Als Volljurist und Unternehmer verbindet er regulatorisches Know-how mit digitalen Geschäftsmodellen und versteht sich als konstruktiver Systemveränderer, der etablierte Strukturen hinterfragt und neue Wege für eine moderne Gesundheitsversorgung eröffnet.

DrAnsay ist ein 2018 von Dr. jur. Can Ansay gegründetes Health Tech Unternehmen mit Fokus auf Telemedizin und digitale Gesundheitsversorgung. Über die Plattform erhalten Patient:innen Zugang zu medizinischen Leistungen, ärztlicher Beratung und digitalen Rezeptservices. Das Angebot umfasst unter anderem medizinisches Cannabis, Gewichtsreduktion, Folgerezepte sowie weitere telemedizinische Behandlungen.

DrAnsay arbeitet dabei mit Ärzt:innen und mit mehr als 350 lokalen und digitalen Apotheken zusammen. Ziel des Unternehmens ist es, medizinische Versorgung einfacher, schneller und stärker digital zugänglich zu machen. Künftig soll dabei auch Künstliche Intelligenz eine größere Rolle spielen, etwa bei der strukturierten Erfassung von Beschwerden und der Steuerung von Patient:innen in den passenden Versorgungsweg.

Weitere Informationen finden Sie unter: https://can-ansay.com/

*Aus Gründen der Effizienz und besseren Lesbarkeit werden die jeweils kürzeste Form der jeweiligen Geschlechtsbezeichnung. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten selbstverständlich für alle Geschlechter.

1 https://www.deutsche-depressionshilfe.de/wissen/was-ist-eine-depression

2https://ovid-clinics.de/2026/07/14/psilocybin-compassionate-use-in-germany-lea-mertens-and-andrea-jungaberle-on-the-first-patients-payers-and-practicalities/

3 https://jamanetwork.com/journals/jamapsychiatry/fullarticle/2846478