Knapp daneben ist auch vorbei – Masernelimination vorerst gescheitert

Fast wäre die offizielle Anerkennung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelungen. 

Deutschland hat das Ziel nur knapp verfehlt. Aber woran liegt das?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert als Elimination einer Infektionskrankheit den Zustand, in dem keine Virusvariante länger als zwölf Monate kontinuierlich zirkuliert – und dies über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren.

Grundvoraussetzung für die Elimination von Masern ist eine hohe Immunität in der Bevölkerung.

Da die Viren hochansteckend sind, müssen 95 Prozent der Menschen immun sein, um Infektionsketten rasch zu unterbrechen. Dabei steht Deutschland in der Gesamtschau nicht schlecht da, wenn auch in einzelnen Bundesländern bzw. Landkreisen die magischen 95 % Immunität noch nicht erreicht sind. Hier können komplett ungeimpfte oder nur 1-mal geimpfte Kinder und Jugendliche einen Ausbruch begünstigen.

2019 und in den Folgejahren bis 2023 galt in Deutschland die endemische Transmission von Masern als unterbrochen; dies ist Voraussetzung für die Elimination eines Virus. Sicherlich begünstigten die Kontaktbeschränkungen während der COVID-19-Pandemie diese Entwicklung.

Für 2024 wurde dies von der Europäischen Regionalen Verifizierungskommission für die Masern- und Rötelnelimination (RVC) nicht bestätigt.

Ausschlaggebend waren dabei gar nicht einmal die Fallzahlen, sondern vor allem Datenlücken bezüglich der Exposition, also des Ansteckungsweges und der molekularen Charakterisierung des Masernvirus. Denn offenbar kommt es in Deutschland zu Masern aufgrund von Virusimporten, d.h. dem Einschleppen verschiedener Masernvirus-Varianten. Dies führt zu sporadischen Erkrankungsfällen und zu kleinen, begrenzten Ausbrüchen. Diese müssen zukünftig noch rascher und exakter erfasst und
analysiert werden. Die Ausgangslage dafür ist günstig, denn unter anderem ist die Entwicklung der Durchimpfungsraten positiv, die Fallzahlen sind insgesamt niedrig. 2025 wurden 234 Masernfälle an das Robert Koch-Institut gemeldet, 2026 bislang nur 66.

Das Ziel ist also hierzulande durchaus erreichbar, wenn konsequent geimpft wird, Fälle rasch gemeldet und entsprechende Maßnahmen gegen eine Ausbreitung ergriffen werden. Was die Konsequenz ist, wenn dies nicht geschieht, zeigt sich gerade dramatisch in den USA.

Durch den Politikwandel und entsprechende „Empfehlungen“ sinken die Impfraten – in der Folge steigen die Erkrankungszahlen stetig an, es kommt zu Ausbrüchen. In 2025 waren es insgesamt 2.289 gemeldete Masernfälle, bis zum 27. August 2026 bereits knapp 3.000.

Wie zu erwarten waren ca. 95 Prozent komplett ungeimpft. Ein Drittel der Erkrankten war 20 Jahre und älter, in dieser Altersgruppe ist das Risiko für einen komplikationsreichen Verlauf viel höher. 2025 starben in den USA drei Menschen an den Folgen der Masern, 2026 sind es bislang zwei. Dabei waren die USA einmal Vorbild und schon im Jahr 2000 als masernfrei von der WHO zertifiziert, damals gab es im gesamten Land nur noch 85 Fälle.

Mit einem neuen Anlauf zur Masernelimination hat Deutschland jetzt die Chance, selbst Vorbild zu sein.

Wer gern mehr erfahren möchte, schaut bitte direkt beim Deutschen Grünen Kreuz unter www.dgk.de 

Quellen:
• Epidemiologisches Bulletin 20/2026 www.rki.de

• CDC. Measles Cases and Outbreaks, Stand 30.08. 2026 https://www.cdc.gov/measles/data-research/index.html. Abfrage vom 02.09.2026

• Robert Koch-Institut. SurvStat@RKI 2.0, https://survstat.rki.de, Abfragedatum Masern 02.09.2026