Zu früh geboren – was bedeutet das für Herz und Gefäße?

Neue Studie der Universitätsmedizin Magdeburg startet ab April und sucht Kinder und Jugendliche, um den Einfluss von Frühgeburt und Bewegung auf die Gefäßgesundheit zu erforschen.

Kinder, die zu früh geboren wurden, haben ein deutlich erhöhtes Risiko später an Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu leiden.

In der ab April startenden Studie „PrEVAFit“ untersucht der EU-geförderte Forschungsbereich „Kardiovaskuläre Prävention und Sportmedizin“ der Universitätsmedizin Magdeburg, wie Frühgeburtlichkeit, Bewegung im Alltag und körperliche Fitness im Zusammenspiel die Gesundheit der Blutgefäße im Kindes- und Jugendalter beeinflussen. 

Für die Studie werden aktuell Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren gesucht – insbesondere Frühgeborene, aber auch termingeborene Gleichaltrige können teilnehmen.

Warum die ersten Lebensjahre entscheidend sind

Rund 10 von 100 Kindern kommen weltweit zu früh zur Welt – also vor der 37. Schwangerschaftswoche. Dank moderner Medizin überleben heute mehr als 95 von 100 dieser Kinder ihr erstes Lebensjahr. 

Gleichzeitig zeigen viele Studien: Frühgeborene haben später deutlich häufiger Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Zum Beispiel ist ihr Risiko für eine Herzschwäche drei- bis 17-mal so hoch wie bei termingeborenen Menschen. Auch Bluthochdruck tritt bis zu zweieinhalbmal häufiger auf, und Blutgerinnsel in den Venen kommen fast dreimal so oft vor.

Die Kindheit gilt deshalb als wichtige Phase, um langfristige Gesundheitsrisiken zu erkennen und möglichst früh gegenzusteuern – etwa durch Bewegung oder gezielte Vorsorge.

Was genau wird untersucht – Bewegung als möglicher Schutzfaktor

Hier setzt die neue Studie „PrEVAFit – Prematurity, Early Vascular Aging and Cardiorespiratory Fitness“ an. Das Forschungsteam möchte herausfinden, ob regelmäßige körperliche Aktivität die Gefäßgesundheit von frühgeborenen Kindern und Jugendlichen verbessern kann und welche biologischen Prozesse dabei eine Rolle spielen.

Geplant ist die Teilnahme von insgesamt 60 Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 17 Jahren, sowohl früh- als auch termingeboren.

Die Teilnehmenden absolvieren einen Gesundheitscheck mit Blut- und Speichelproben sowie Messungen der Gefäßfunktion.

Zusätzlich machen sie einen Fahrrad-Belastungstest und beantworten Fragen zu Alltag, Bewegung und Gesundheit. Der gesamte Termin dauert etwa zwei bis zweieinhalb Stunden.

„Wir möchten verstehen, ob und wie Bewegung und Sport helfen können, mögliche gesundheitliche Nachteile einer Frühgeburt auszugleichen“, erklärt Studienleiter PD Dr. med. Karsten Königstein. „Wenn wir wissen, welche Kinder besonders gefährdet sind und was ihnen konkret hilft, können Prävention und Beratung viel gezielter erfolgen.“

Was an der Studie neu ist und welche Grenzen es gibt

Die Studie verbindet mehrere medizinische und wissenschaftliche Fachgebiete, darunter Kinderheilkunde, Herzmedizin, Sportwissenschaft, Immunologie und Humangenetik. Durch diese Kombination sollen Zusammenhänge sichtbar werden, die einzelne Untersuchungen allein nicht zeigen können.

Gleichzeitig hat die Studie auch Grenzen: Mit etwa 60 Teilnehmenden ist sie vergleichsweise klein, und die umfangreichen Messungen machen die Datenerhebung aufwendig. Weitere Studien werden notwendig sein, um die Ergebnisse zu überprüfen und zu erweitern.

Für die Teilnehmenden selbst bietet die Untersuchung einen direkten Nutzen: Sie erhalten eine ausführliche Einschätzung ihres Gesundheitszustands, Beratung zum eigenen Gesundheitsverhalten und Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil.

Langfristig könnten die Ergebnisse helfen, Präventionsprogramme gezielter zu planen – etwa spezielle Bewegungsangebote für Kinder mit erhöhtem Risiko.

Ob und wie solche Programme umgesetzt werden können, hängt von weiteren Forschungsergebnissen, organisatorischen Möglichkeiten und gesundheitspolitischen Entscheidungen ab.

An der Studie beteiligte Einrichtungen sind die Ambulanz für Pädiatrische Prävention & Sportmedizin (PaePSi) der Universitätskinderklinik Magdeburg, die Universitätsklinik für Kardiologie & Angiologie Magdeburg, das Institut für Humangenetik sowie das Institut für Inflammation und Neurodegeneration der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, das Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Medizinischen Hochschule Hannover, das Wilhelmina Kinderziekenhuis Utrecht (Niederlande) und die Cardiff Metropolitan University (Wales).

Die Studie wird durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) Sachsen-Anhalt gefördert.

Kontakt für Studieninteressierte
Universitätsklinikum Magdeburg - Telefon: +49-391-67-24865