IQWiG bescheinigt: CGM mit Real-Time-Messgeräten hat einen Zusatznutzen

diabetesDE und DDH-M fordern umfassendere Betrachtung der Lebensqualität

Menschen mit insulinpflichtigem Diabetes können mit einer Kombination aus Blutglukoseselbstmessung (BGSM) und kontinuierlicher interstitieller Glukosemessung (CGM) durch ein Real-Time-Messgerät (Real-Time-CGM) ihren HbA1c-Wert besser einstellen als mit einer reinen BGSM, ohne dass schwere oder schwerwiegende Hypoglykämien häufiger auftreten.

Zu diesem Ergebnis kommt der heute veröffentlichte Abschlussbericht des Instituts für Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe, die Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Technologie der Deutschen Diabetes Gesellschaft und die Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) begrüßen die positive Bewertung.

Sie stimmen jedoch nicht zu, dass zur Lebensqualität sowie für die meisten anderen Endpunkte und Fragestellungen Daten fehlen oder die Studienergebnisse nicht statistisch signifikant sind oder kein klares Bild ergeben, wie das (IQWiG) ausführt.

CGM steht für „Continuous Glucose Monitoring“, also „kontinuierliches Glukosemonitoring“. CGM-Systeme sind Geräte, die rund um die Uhr alle fünf Minuten den Glukosegehalt in der Gewebeflüssigkeit des Unterhautfettgewebes messen.

Von den gesetzlichen Krankenkassen werden die Kosten für CGM-Systeme bislang nur im Einzelfall auf Antrag und nach Prüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) übernommen.

Dem Abschlussbericht des IQWiG zufolge lässt sich mit der Kombination von Blutglukoseselbstmessung (BGSM) und Real-Time-CGM der HbA1c-Wert besser kontrollieren als mit einer reinen BGSM, ohne dass schwere und schwerwiegende Hypoglykämien nachweislich häufiger auftreten.

„Die Aussagesicherheit reicht dabei je nach Altersgruppe und Schwere der Hypoglykämie von einem Anhaltspunkt bis zu einem Beleg“, sagt Professor Dr. rer. nat. Lutz Heinemann, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Diabetes & Technologie (AGDT) der Deutschen Diabetes Gesellschaftt.

Bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität liefern die wenigen klinisch relevanten Studienergebnisse laut IQWiG-Bericht kein einheitliches Bild, sodass sich aus ihnen kein Anhaltspunkt für einen Vor- oder Nachteil ableiten lässt.

„Dies beurteilen wir als Betroffene ganz anders“, sagt Jan Twachtmann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M). „Besser einstellbare Werte, weniger Blutzuckerschwankungen und jede vermiedene Unterzuckerung tragen entscheidend zu einer höheren Lebensqualität bei und erhöhen auch die berufliche Leistungsfähigkeit.“

Dem stimmt Professor Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE und Chefarzt am Kinderkrankenhaus AUF DER BULT in Hannover zu und ergänzt: „Hierbei sollten besonders ‚gefährdete‘ Patientengruppen wie Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes, Schwangere und Patienten mit einer Wahrnehmungsproblematik für Unterzuckerungen im Blickfeld stehen“, gerade bei Kindern sollten Unterzuckerungen vermieden werden, um Störungen bei der Gehirnentwicklung vorzubeugen.

„Bei einem diagnostisch-therapeutischen Hilfsmittel wie Real-Time CGM gelten daher andere Kriterien als bei einem Medikament, um eine langfristige und positive Krankheitsbewältigung zu bewirken, insbesondere vor dem Hintergrund einer chronischen Erkrankung mit potentiell sich verschlimmernden Folgeerkrankungen“, betont Professor Danne.

Der im Abschlussbericht festgestellte Nutzen von CGM-Systemen liefert laut somit die Basis für eine Kostenübernahme bei all den Patienten, bei denen eine Indikation besteht und bei denen eine Verbesserung ihrer Situation durch den Einsatz von CGM erreicht werden kann. „Wir hoffen, dass damit der Weg für eine unkomplizierte Kostenübernahme geebnet ist“, sind sich Heinemann, Danne und Twachtmann einig.

Wer gern mehr erfahren möchte, schaut bitte direkt unter www.diabetesde.org  bzw. unter  http://menschen-mit-diabetes.de

Viele interessante Informationen stellt auch die Arbeitsgemeinschaft Diabetologische Technologie der DDG unter www.diabetes-technologie.de  vor.

Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft:
Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) gehört mit über 8600 Mitgliedern zu den großen medizinischen Fachgesellschaften in Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und entwickelt Leitlinien.

Ziel ist eine noch wirkungsvollere Prävention und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der Millionen von Menschen in Deutschland betroffen sind.

diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe ist die  gemeinnützige und unabhängige Dachorganisation, die Menschen mit Diabetes, Diabetesberater, Ärzte und Forscher vereint. Gemeinsam schaffen wir Öffentlichkeit für das Thema und vertreten die Interessen der Menschen mit Diabetes. Wir setzen uns für eine bessere Prävention, Versorgung und Forschung im Kampf gegen die Volkskrankheit Diabetes ein.

Die Krankheit breitet sich auch in Deutschland rasch aus. 6 Millionen Menschen sind in Behandlung und jeden Tag kommen fast 1000 Neuerkrankte hinzu.

Gegründet wurde diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe von der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) www.ddg.info  und dem Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD) www.vdbd.info  Die Selbsthilfe ist innerhalb von diabetesDE durch die selbstständige Selbsthilfeorganisation Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M) www.ddh-m.de  vertreten