Zu hohe Kosten aus Bequemlichkeit?
Warum sich ein Versicherungscheck zum Jahresende lohnt
Zum Jahresende nehmen sich viele Menschen vor, ihre Finanzen zu ordnen, laufende Ausgaben zu überprüfen und Sparpotenziale für das kommende Jahr zu erschließen. Ein Bereich bleibt dabei jedoch häufig unbeachtet: bestehende Versicherungsverträge.
„In der Praxis werden Versicherungen meist einmal abgeschlossen und anschließend über Jahre nicht mehr überprüft“, erklärt Sejdin Sejdini, Geschäftsführer der ProFina Deutschland GmbH. „Dabei kann sich sowohl die persönliche Lebenssituation als auch der individuelle Versicherungsbedarf im Laufe der Zeit verändern. Wer seine Verträge nicht regelmäßig überprüft, riskiert, unnötig hohe Beiträge zu zahlen oder für Leistungen aufzukommen, die nicht mehr zum eigenen Bedarf passen.“
Der Versicherungsexperte zeigt auf, bei welchen Versicherungen sich eine Überprüfung besonders lohnt, wo unnötige Kosten entstehen und unter welchen Voraussetzungen ein Tarifwechsel sinnvoll ist.
1. Privathaftpflichtversicherung
Die Privathaftpflichtversicherung gehört zu den wichtigsten Absicherungen im Alltag. Gerade bei älteren Verträgen lohnt sich ein genauer Blick auf die vereinbarten Leistungen.
So können beispielsweise die Deckungssummen zu niedrig angesetzt sein oder wichtige Leistungsbausteine fehlen.
„Bei alten Privathaftpflichtversicherungen liegen häufig geringere Deckungssummen von beispielsweise 3 Millionen Euro vor“, so Sejdini. „Bei schweren Personen- oder Sachschäden kann diese Summe schnell ausgeschöpft sein, sodass Versicherte im schlimmsten Fall einen Teil der Kosten selbst tragen müssen.“
Auch eine veränderte Lebenssituation sollte bei der Überprüfung des Versicherungsschutzes berücksichtigt werden. Hat die versicherte Person inzwischen geheiratet oder Kinder bekommen, sollte geprüft werden, ob die Familienangehörigen ausreichend mitversichert sind. Ist dies nicht der Fall, kann eine Anpassung des bestehenden Vertrags oder ein Wechsel in einen besser geeigneten Tarif sinnvoll sein.
2. Hausratsversicherung
Veränderte Lebensumstände haben mitunter auch Auswirkungen auf die bestehende Hausratsversicherung. Eine Überprüfung der Versicherungssumme ist nicht erst bei einem Umzug in eine größere Wohnung sinnvoll.
Auch die Anschaffung teurer Möbel, elektronischer Geräte oder anderer Wertgegenstände kann den Gesamtwert des Hausrats erheblich steigern. Liegt die vereinbarte Versicherungssumme unter dem tatsächlichen Wert des Hausrats, besteht das Risiko einer Unterversicherung. Beträgt der tatsächliche Wert des Hausrats beispielsweise 80.000 Euro, aber die Versicherungssumme liegt nur bei 40.000 Euro, besteht eine Unterversicherung von 50 Prozent.
„Ohne entsprechenden Unterversicherungsverzicht besitzt der Versicherer die Möglichkeit, die Entschädigung bei einem Teilschaden entsprechend zu kürzen“, informiert Sejdini. „Wichtig ist deshalb eine ausreichend hohe Versicherungssumme sowie ein vertraglich vereinbarter Unterversicherungsverzicht.“
Darüber hinaus empfiehlt es sich zu prüfen, ob zusätzliche Risiken wie Überschwemmungen durch Starkregen über einen Elementarschadenbaustein abgesichert sind.
3. Berufsunfähigkeitsversicherung
Viele Menschen schließen bereits zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab, um sich im Ernstfall finanziell abzusichern. Wird der Vertrag anschließend jedoch nicht regelmäßig überprüft und an veränderte Lebensumstände angepasst, kann eine Versorgungslücke entstehen.
Wer beispielsweise zu Beginn seiner Karriere eine monatliche Berufsunfähigkeitsrente von 1.000 Euro vereinbart hat, inzwischen aber deutlich mehr verdient und einen höheren Lebensstandard erreicht hat, könnte im Leistungsfall unzureichend abgesichert sein.
Um dies zu vermeiden, sollte regelmäßig geprüft werden, ob die vereinbarte BU-Rente ausreicht, um die laufenden Lebenshaltungskosten und finanziellen Verpflichtungen zu decken.
„Als grobe Orientierung gelten etwa 70 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens, wobei der individuelle Bedarf entscheidend ist“, so Sejdini.
Neben der Rentenhöhe spielen weitere Vertragsdetails eine wichtige Rolle für einen umfassenden Versicherungsschutz. Dazu zählt insbesondere der Verzicht auf die abstrakte Verweisung. Diese Vertragsklausel verhindert, dass der Versicherer die Leistung allein mit dem Hinweis auf einen anderen Beruf verweigert, den die versicherte Person theoretisch noch ausüben könnte.
Eine weitere wichtige Vertragsoption ist die Nachversicherungsgarantie, die es ermöglicht, die vereinbarte BU-Rente bei bestimmten Lebensereignissen unter festgelegten Voraussetzungen ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen.
„Grundsätzlich sollte ein Wechsel der Berufsunfähigkeitsversicherung gut überlegt sein, da ein Neuabschluss alters- oder gesundheitsbedingt oft teurer ist oder schlechtere Konditionen bietet. Daher ist es häufig sinnvoller, zunächst die Anpassungsmöglichkeiten des bestehenden Vertrags auszuschöpfen, bevor ein Wechsel in Betracht gezogen wird“, erklärt Sejdini.
Weitere Informationen unter www.pro-fina.de