Wenn ein Schlaganfall die ganze Familie trifft
Zum Welt-Schlaganfalltag am 29. Oktober
Ein Schlaganfall kann jeden treffen, auch mitten im Berufs- und Familienleben. Was innerhalb weniger Minuten geschieht, verändert oft die Zukunft einer ganzen Familie.
Anlässlich des bevorstehenden Welt-Schlaganfalltags am 29. Oktober macht Haus für morgen e. V. auf die Versorgungslücke für jüngere Schlaganfall-Betroffene aufmerksam.
Der Hamburger Verein zeigt mit seinen Wohn-Pflege-Gemeinschaften einen Ansatz, der auch andernorts Perspektiven eröffnen könnte. Voraussetzung sind verlässliche finanzielle und strukturelle Rahmenbedingungen.
Jährlich erleiden in Deutschland rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall, etwa 30.000 davon sind jünger als 55 Jahre. Können sie nach Krankenhaus und Rehabilitation nicht wieder selbstständig leben, fehlen häufig passende Wohn- und Unterstützungsangebote.
Angehörige müssen dann Pflege, Beruf und Familienalltag miteinander vereinbaren. Zum Verlust des bisherigen gemeinsamen Lebens können Überforderung, Verzweiflung und finanzielle Existenznot kommen.
Wie stark die Folgen in die Familien hineinreichen, zeigt eine Online-Befragung der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe aus dem Jahr 2025: Von 393 pflegenden Angehörigen berichten 39 Prozent über weniger finanzielle Mittel. Jeder Fünfte hat seine Arbeitszeit dauerhaft reduziert.
Aus eigener Erfahrung einen Ausweg geschaffen
Barbara Wentzel kennt diese Situation. Ihr Mann erlitt mit 55 Jahren einen schweren Schlaganfall. „Plötzlich war nichts mehr wie zuvor. Ich war berufstätig, mein Mann konnte nicht mehr arbeiten, und wir standen vor einem Pflegedesaster“, erinnert sie sich. Aus dieser Erfahrung gründete sie 2017 gemeinsam mit Freunden Haus für morgen e. V.
Seit 2020 organisiert der Verein eine Wohn-Pflege-Gemeinschaft für neun jüngere Schlaganfall-Betroffene in Hamburg-St. Georg. Das Konzept verbindet professionelle Betreuung mit Gemeinschaft und gezielter Förderung im Alltag.
Im Mittelpunkt steht, Fähigkeiten zurückzugewinnen, Selbstständigkeit zu stärken und wieder am Leben teilzuhaben. Zugleich eröffnet die gemeinschaftliche Betreuung eine Alternative dazu, dass Angehörige die tägliche Versorgung überwiegend selbst übernehmen müssen. Die Schriftstellerin Ulla Hahn unterstützt Haus für morgen e. V. als Schirmherrin.
Eine zweite Wohn-Pflege-Gemeinschaft für zehn Menschen entsteht derzeit mit der Hildegard und Horst Röder-Stiftung in Hamburg-Groß Borstel. Die Eröffnung ist für Frühjahr 2027 geplant.
Ein Konzept mit Potenzial über Hamburg hinaus
Aus Sicht des Vereins lässt sich das Konzept auch auf andere Standorte in Deutschland übertragen und schrittweise ausweiten. Dafür braucht es neben engagierten Partnern eine Finanzierung, die individuelle Förderung und Teilhabe dauerhaft ermöglicht.
Bislang stoßen solche Wohn- und Pflegekonzepte jedoch an finanzielle und strukturelle Grenzen. Haus für morgen fordert deshalb Rahmenbedingungen, die Angebote für jüngere Pflegebedürftige verlässlich absichern und ihren Ausbau erleichtern. Betroffene und ihre Familien können nicht darauf warten, dass politische Veränderungen irgendwann im Alltag ankommen. Engagierte Bürger und Stiftungen schaffen bereits heute Orte, an denen neue Lebensperspektiven entstehen.
Zu Weihnachten Perspektiven schenken
Um seine Arbeit zu sichern und weiterzuentwickeln, ist Haus für morgen auf Spenden angewiesen. Unternehmen, die zu Weihnachten auf Kundengeschenke verzichten möchten, können den Verein mit einer Aktion unter dem Motto „Spenden statt Geschenke“ unterstützen.
Auch private Spender sind willkommen.
Die Unterstützung trägt dazu bei, jüngeren Schlaganfall-Betroffenen Gemeinschaft, individuelle Förderung und einen Weg zurück in ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
Über Haus für morgen e.V.
Der Verein Haus für morgen e.V. wurde 2017 gegründet, nachdem es für jüngere Schlaganfall-Betroffene kaum passende Angebote gab. 2020 eröffnete die erste Wohn-Pflege-Gemeinschaft in Hamburg-St. Georg. Das Konzept verbindet professionelle Betreuung mit Gemeinschaft und gezielter Förderung im Alltag.
Informationen zu Spenden und Unternehmensaktionen erhalten Sie direkt unter Haus für morgen e. V. - www.haus-fuer-morgen.com