Lachs und Fischöl: bei früher Alzheimerkrankheit können Antioxidantien wie Omega-3-Fettsäuren messbar helfen

Die Zusammenfassung bisheriger Interventionsstudien stützt die Ergebnisse beobachtender Untersuchungen: Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren kann bei milder Alzheimererkrankung vorteilhaft sein und Denkleistungen fördern.

Die Alzheimerkrankheit gehört ganz klar zu den sogenannten neurodegenerativen Erkrankungen. Mit zunehmendem Krankheitsfortschritt werden Nervenzellen des Gehirns zerstört und es zeigen sich Einschränkungen von Gedächtnis, Sprache, klarem Denken und anderen Leistungen des Gehirns.

Die Entstehung der Erkrankung wird zum Teil dem oxidativen Stress zugeschrieben. Bei der Arbeit unserer Zellkraftwerke, der Mitochondrien, entstehen Abfallstoffe. Fallen zu viele dieser typischerweise sauerstoffhaltigen Abfälle an, kann eine Zelle mit dem Aufräumen überfordert sein. Dies wird dann oxidativer Stress genannt – der Sauerstoffmüll kann andere Substanzen ‚oxidieren‘, also schädigen.

Gegen solche Oxidantien sollen die sogenannten Antioxidantien helfen. Manche Antioxidantien könnten sogar als Anzeichen für eine neurodegenerative Erkrankung wie die Alzheimerkrankheit genutzt werden. Dabei sind besonders lipophile Antioxidantien von großem Interesse: lipophil bedeutet ‚fett-freundlich‘, die Substanzen lagern sich also gut an fetthaltigen Substanzen an – wie beispielsweise der Zellmembran von Nervenzellen.

Damit übereinstimmend zeigten gerade solche lipophilen Antioxidantien in Laborstudien mit Zellen bzw. im Tiermodell guten Schutz für Nervenzellen, wie von Chang und Kollegen in einem Review-Artikel 2018 im Journal Clinica Chimica Acta ausgeführt wurde.

Ob sie aber auch erkrankten Menschen mit einer neurodegenerativen Krankheit helfen könnten, ist bisher unklar.

Antioxidantien: Werkzeuge gegen Schäden durch Zellabfall

Zu den lipophilen Antioxidantien zählen Vitamin- und Nahrungsergänzungs-Klassiker wie Vitamin A, Carotinoide, Vitamin E, Coenzym Q10 und die Omega-3-Fettsäuren Docosahexaensäure (kurz DHA) und Eicosapentaensäure (kurz EPA, auch Icosapent-Ethyl genannt). Letztere kommen in fetten Meeresfischen wie Lachs vor, sind aber auch aufgereinigt als Fischölkapseln erhältlich.

Bei der Alzheimerkrankheit mehren sich inzwischen die Hinweise, dass Omega-3-Fettsäuren eine schützende Funktion übernehmen könnten. Um zu ermitteln, ob die Forschung deutlich für oder gegen eine solche Wirkung der Omega-3-Fettsäuren spricht, führten Forscher nun eine systematische Literaturrecherche durch. Darin fragten sie, ob eine Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren konkret nützte und eventuell auch wirksam die Denkleistung von Alzheimerpatienten unterstützen konnte.

Können Omega-3-Fettsäuren als Antioxidantien gegen die Alzheimerkrankheit helfen?

Dazu ermittelten die Wissenschaftler Forschung zum Thema aus den medizinwissenschaftlichen Datenbanken Medline, Excerpta Medica Database und Cochrane Library. Der Schwerpunkt lag dabei auf sogenannten Interventionsstudien, in denen die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren im Vergleich zu einem Scheinpräparat (Placebo) untersucht wurde. Getestet wurden dabei kognitive Funktionen, also verschiedene Denkleistungen, von Menschen mit diagnostizierter Alzheimererkrankung.

Systematische Literaturübersicht und Vergleich der Studienergebnisse

Aus den anfänglich ermittelten 361 Publikationen zum generellen Thema konnten 7 Studien gefunden werden, die den Einschlusskriterien genügten. Die meisten dieser Untersuchungen fanden keine statistisch überzeugenden (signifikanten) Hinweise auf Vorteile der Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren im Vergleich zu Placebo.

Manche Studien fanden förderliche Effekte auf die Denkleistung nur in wenigen Tests – die Vorteile schienen also nur vereinzelte Leistungen des Gehirns zu betreffen.

Die Nahrungsergänzung schien allerdings deutlicher bei Patienten im Anfangsstadium der Alzheimerkrankheit zu helfen, wenn sie also noch sehr mild ausgeprägt war.

In frühen Stadien der Erkrankung können Lachs und Fischöl noch messbar helfen

Damit unterstützt die Zusammenfassung der bisherigen Behandlungs-Forschung (sogenannte Interventionsstudien) die Ergebnisse beobachtender Untersuchungen (Observationsstudien): Nahrungsergänzung mit Omega-3-Fettsäuren kann bei milder Alzheimererkrankung, also zu Beginn der Erkrankung, vorteilhaft sein.

Zwar zeigten manche Untersuchungen auch bei stärker erkrankten Patienten Besserungen mancher Denkleistungen mit dieser Behandlung, jedoch sind die Ergebnisse bei fortgeschrittener Erkrankung nicht ausreichend überzeugend.

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Original Titel:
Omega-3 fatty acids' supplementation in Alzheimer's disease: A systematic review.

Autor:
Canhada S, Castro K, Perry IS, Luft VC. Omega-3 fatty acids’ supplementation in Alzheimer’s disease: A systematic review. Nutr Neurosci. 2018;21(8):529-538. doi:10.1080/1028415X.2017.1321813.