Social Media, Filter & Schönheitsdruck
… wie digitale Bilder OP-Wünsche beeinflussen
Strahlende Haut, makellose Gesichtszüge, volle Lippen, die perfekten weiblichen Rundungen – auf Instagram, TikTok und Snapchat gehören digital optimierte Gesichter und Körper längst zum Alltag.
Was früher mit Beauty-Filtern begann, wird heute zunehmend durch KI-gestützte Bildbearbeitung perfektioniert.
Die Folge: Gerade junge Menschen vergleichen sich immer häufiger mit einem Ideal, das in der Realität gar nicht existiert.
Laut der neuen JIMplus-Studie 2026 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest geben vor allem Mädchen an, sich Vergleichen ausgesetzt zu fühlen.
Auch frühere Datenerhebungen, wie die 2021 geleakten Facebook Files, kommen zu dem Ergebnis, dass Inhalte in Social Media besonders bei jungen Frauen zu Vergleichen führen und eine Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper verstärken können.
„Um ihrem Idealbild näherzukommen, sind manche sogar bereit, sich einem operativen Eingriff zu unterziehen. Sie bringen digital bearbeitete Fotos von sich selbst mit in die Praxis, diese zeigen oft jedoch ein Ideal, das anatomisch nicht erreichbar ist“, sagt Prof. CH Dr. med. Mehmet Atila, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie und Direktor der „Medical Inn“- Klinik in Düsseldorf.
Aufklärung von Fachärzten dringend notwendig
Ob durch Filter oder KI-Bearbeitung – Fotos zu bearbeiten, ist heutzutage einfacher als jemals zuvor.
Das kann jedoch dazu führen, dass Menschen anschließend mit ihrem tatsächlichen Aussehen nicht mehr zufrieden sind und ihr Wunsch steigt, das eigene Aussehen dauerhaft an die digitale Selbstinszenierung anzupassen.
Selbst Menschen, die sich bereits vorher als schön beziehungsweise attraktiv betrachtet und keine Komplexe mit ihrem äußeren Erscheinungsbild gehabt haben, sind nach der Nutzung eines solchen Filters oft überrascht, wie sich ihr Äußeres verändern könnte.
„Insbesondere bei jungen Patientinnen und Patienten ist deshalb ein sorgfältiges Aufklärungsgespräch notwendig. Im Mittelpunkt stehen dabei eine realistische Erwartungshaltung, psychische Stabilität und die Frage, ob ein Eingriff tatsächlich einen nachhaltigen Nutzen bringt oder lediglich kurzfristig einem digitalen Schönheitsideal entsprechen soll“, so Atila.
Denn ein Trend, der einem in jungen Jahren gefallen hat, kann aufgrund des normalen Alterungsprozesses und durch Veränderungen der Lebensumstände irgendwann missfallen. Auch das Rückgängigmachen vieler Operationen ist entweder gar nicht mehr möglich oder gestaltet sich deutlich schwerer als der primäre Eingriff.
Motive hinterfragen, realistische Möglichkeiten aufzeigen
Manche Menschen geraten durch die online vermittelten Schönheitsideale auch unter psychischen Druck.
Experten sprechen bei Patienten, die extrem unzufrieden mit ihrem natürlichen Aussehen sind, weil sie sich ständig mit ihrem perfekten Online-Ich vergleichen, auch von „Snapchat-“ oder auch „Selfie-Dysmorphie“. Denn die Diskrepanz zwischen dem realen Erscheinungsbild und den stark veränderten Bildern kann schlimmstenfalls zu dysmorphen Störungen, Depressionen oder weiteren psychischen Erkrankungen führen.
Mit der ersten Schönheitsoperation öffnet sich manchmal auch das Tor zur Sucht: Jemand, der unter einem Drang zur Selbstoptimierung leidet, lässt sich beispielsweise die Nase korrigieren und erlebt nach der Abheilung beim ersten Blick in den Spiegel ein Gefühl der Freude, das allerdings schnell wieder verfliegt.
Um die Empfindung zu erneuern, bedarf es des nächsten Termins im OP.
„Während grundsätzlich wenig gegen ästhetische Korrekturen spricht, ist es deshalb notwendig, die Motive der Patienten zu hinterfragen.
- Warum möchte jemand seinen Körper anpassen?
- Ist die Person durch die Vielzahl von Hochglanz-Postings in Instagram-Feed geblendet?
- Ist das Ziel überhaupt realistisch?
Anschließend lassen sich gemeinsam Möglichkeiten besprechen, damit Patienten sich möglichst wieder wohl in ihrem Körper fühlen“, berichtet der Facharzt.
Weitere Informationen unter www.medical-inn.com