Mit Strategie von Bequemlichkeit zu Bestform

Es gibt Aufgaben, die mit bemerkenswerter Zuverlässigkeit nach hinten geschoben werden. 

Steuerkram zum Beispiel, oder Frühsport und gern auch unangenehme Telefonate. 

Die Folge: wachsende To-doListen, die tagelang im Kopf herumschwirren und Energie fressen. 

Damit ist niemand allein. 

„Jeder Mensch hat Bereiche und Tätigkeiten, die er ungern macht“, weiß Michael von Kunhardt. „Der innere Schweinehund gehört gewissermaßen zur Grundausstattung.“ 

Als Mentalcoach und ehemaliger Profisportler kennt er die richtigen Strategien, um den unliebsamen Begleiter zu konditionieren:  Lieber locker starten als heldenhaft scheitern 

Ein häufiger Motivationskiller ist ein zu großer Einstieg. 

Wer sich innerlich direkt zum Marathon anmeldet, scheitert nicht selten bereits an den Laufschuhen. Deshalb wirkt ein niedrigschwelliger Anfang oft Wunder. 

Fünf Minuten, ein erster Handgriff, ein kleiner erster Schritt. 

Im Sport gilt schließlich auch: Erst einmal in Bewegung kommen, dann entsteht Rhythmus. Das nimmt Druck raus und senkt die Hemmschwelle deutlich. 

Offene Tabs im Kopf 

Unerledigte Dinge verhalten sich wie zwanzig offene Browser-Tabs im Gehirn. Sie blinken, nerven und ziehen im Hintergrund Energie.

Tatsächlich bewirkt der sogenannte ZeigarnikEffekt, dass unterbrochene oder offene Aufgaben oft präsenter im Gedächtnis bleiben als abgeschlossene und somit mentale Kapazitäten binden, die zu Stress führen. 

Deshalb entlastet es, Dinge bewusst fertigzustellen oder zumindest sauber zu strukturieren. Andersherum lässt sich dieses psychologische Phänomen aber auch als Antrieb nutzen, um Projekte in kürzester Zeit aktiv zu Ende zu führen.  

Leckerlis als positive Verstärker 

Nicht alles muss über reine Disziplin laufen. Der Belohnungsmechanismus ist ein erstaunlich hilfreicher Mitspieler, wenn unangenehme Aufgaben leichter gemacht werden sollen. 

Das kann etwas Kleines sein, wie ein guter Kaffee danach, eine Lieblingsplaylist beim Erledigen oder ein schön gestalteter Arbeitsplatz. 

Im sportlichen Kontext wirkt eine neue Ausrüstung oft Wunder, weil sie ein gutes Gefühl mit der Anstrengung verbindet.

 Wenn ungeliebte Aufgaben mit etwas Angenehmem gekoppelt werden, verlieren sie oft einen Teil ihres Schreckens. 

Buddy schlägt Bummelmodus 

Verbindlichkeit wächst häufig dann, wenn andere mit im Boot sind. Im Tauchsport ist das Buddy-Prinzip selbstverständlich: Niemand geht allein. Auch im Alltag macht ein Verbündeter vieles leichter.

 Jemand, der mitzieht, mitjammert, mitlacht oder schlicht mitmacht, verwandelt lästige Pflichten in eine gemeinsame Mission und nimmt dem inneren Verhandler die Möglichkeit, sich elegant aus allem herauszuwinden.  

Was einen Termin hat, wird real Solange eine Aufgabe nur lose im Kopf herumschwebt, bleibt sie verhandelbar. 

Mit einem festen Datum verändert sich das. Klar gesetzte Zeitpunkte machen aus diffusen Vorhaben konkrete Verabredungen und schaffen Struktur – das gilt auch fürs Training. 

Sobald eine Einheit fix eingeplant ist, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie still und heimlich vom Sofa ersetzt wird. Termine sind somit die elegante Antwort auf Ausreden.  

Primetime statt Pflichtprogramm  

Nicht jede Aufgabe passt in jedes Zeitfenster. Manche Menschen denken morgens klarer, andere kommen erst am Nachmittag oder Abend richtig auf Betriebstemperatur. 

Wer die eigenen zeitlichen Präferenzen kennt, arbeitet mit dem inneren Takt statt permanent dagegen an. Gerade die Dinge, die ohnehin ungeliebt sind, sollten nicht in jene Momente gelegt werden, in denen Energie und Fokus bereits in den Feierabend gedriftet sind. 

Wer seine persönliche Primetime nutzt, braucht oft spürbar weniger Willenskraft und deutlich weniger innere Diskussion. Nicht verliebt, aber erledigt Nicht jede Tätigkeit muss Spaß machen. 

Manche Aufgaben bleiben unerquicklich, selbst wenn sie mit Kalender, Belohnung und Buddy-System aufgehübscht werden. Entscheidend ist nicht die Begeisterung, sondern die Fähigkeit, trotzdem zu handeln. Im Sport wie im Alltag ist die erste Bewegung meist die schwerste.

 Ist sie geschafft, wird aus Widerstand oft überraschend schnell Gassi-Routine. 

Weitere Informationen unter: https://www.vonkunhardt.de