Kälteschock für‘s Herz

Myokardinfarkt durch niedrige Temperaturen?

Sind niedrige Temperaturen ein externer Auslöser für einen Myokardinfarkt? Dieser Frage sind Forscher der Universität Lund nachgegangen. In einer 16 Jahre andauernden Studie haben sie mehr als 280.000 Patienten beobachtet.

Heiß und kalt
Das Herz ist nicht nur ein sehr potentes, sondern gleichzeitig auch sensibles Organ. Bei niedrigen Temperaturen und Kälte verengen sich die Blutgefäße. Doch auf diese Weise erhöht sich ihr Widerstand und damit auch der Blutdruck.

Ein gesundes Herz verkraftet dies in der Regel ohne Probleme, für Menschen, die unter hohem Blutdruck oder einer Herzschwäche leiden, kann es unter Umständen wie bei einer Minderdurchblutung des Herzmuskels, kritisch werden.

„Es gibt eine saisonale Variation beim Auftreten von Herzinfarkten, mit einer sinkenden Inzidenz im Sommer und einer steigenden im Winter. Unklar ist, ob dies auf kältere Temperaturen oder auf Verhaltensänderungen zurückzuführen ist“, erklärt Dr. Moman Mohammed, einer der Studienautoren.

Zusammen mit Prof. David Erlinge von der Universität Lund untersuchten die Wissenschaftler die Wetterbedingungen zum Zeitpunkt des Auftretens von kardialen Ereignissen. Dazu wurden Daten von meteorologischen Stationen des schwedischen Instituts für Meteorologie und Hydrologie (SMHI) verwendet.

Mehr Herzinfarkte bei niedrigeren Temperaturen?
Auffällig war, dass Menschen an Tagen mit Temperaturen unter null Grad häufiger einen Herzinfarkt erlitten als an Tagen mit über zehn Grad. Darüber hinaus erhöhte sich die Anzahl der Herzinfarkte an Tagen mit höheren Windgeschwindigkeiten, weniger Sonnenlicht und hoher Luftfeuchtigkeit.

Das schwedische Forscherteam untersuchte zudem den Zusammenhang zwischen dem Auftreten eines Myokardinfarkts und dem Wetter in Untergruppen, wie etwa ältere Menschen, Patienten mit Bluthochdruck, Diabetes oder vorherigen Infarkten. Es stellte sich heraus, dass sich in allen Gruppen eine ähnliche Korrelation entwickelt hatte. „Die Ergebnisse zeigten durchweg eine höhere Inzidenz von Herzinfarkten bei Temperaturen unter Null. Dabei gab es Ähnlichkeiten in den verschiedenen Untergruppen. Dies könnte darauf hindeuten, dass die Lufttemperatur einen Herzinfarkt auslösen kann“, so Dr. Mohammed.

Der Körper reagiert auf Kälte, indem er die peripheren Blutgefäße zusammenzieht. Dies reduziert die thermische Leitfähigkeit der Haut, was zu einer Erhöhung des Blutdrucks führen kann. Neben einer erhöhten Herzfrequenz kann es auch zu Schüttelfrost kommen. Die meisten gesunden Personen tolerieren diese Mechanismen. Bei Menschen mit atherosklerotischen Plaques in den Herzkranzgefäßen kann jedoch im schlimmsten Fall ein Herzinfarkt entstehen.
 
Weitere Studien notwendig
Da es sich bei dieser Untersuchung um eine Beobachtungsstudie handelt, müssen weitere Faktoren genauer analysiert werden. Es ist nicht auszuschließen, dass andere Gewohnheiten, wie etwa eine andere Ernährungsweise in den Wintermonaten, die Herzgesundheit negativ beeinflussen.
 
Quelle:
medicalpress.de