Die Macht der Anerkennung
Was Likes mit dem Selbstwert machen
Wer ist erfolgreicher, beliebter, attraktiver oder scheinbar glücklicher?
Menschen orientieren sich seit jeher an anderen Menschen. Sie vergleichen sich mit Freundinnen, Kollegen, Geschwistern oder Vorbildern. „Anerkennung beeinflusst unser Denken, unsere Entscheidungen und oft auch unser Selbstwertgefühl“, erklärt Mentalcoach Michael von Kunhardt. „Während Vergleiche früher vor allem im direkten Umfeld stattfanden, machen Social Media sie heute dauerhaft sichtbar.“
Likes, Reichweite und inszenierte Momentaufnahmen erzeugen schnell das Gefühl, ständig mithalten zu müssen.
Besonders junge Menschen geraten dadurch unter Druck. Gleichzeitig kann daraus aber auch Motivation und Inspiration entstehen. Entscheidend ist, wie bewusst mit Anerkennung und Vergleichen umgegangen wird.
Warum die Meinung anderer so viel Einfluss hat
Der Wunsch nach Bestätigung ist ein menschliches Grundbedürfnis. Personen möchten dazugehören, respektiert werden und das Gefühl haben, gesehen zu werden.
„Bereits als Kinder lernen wir, uns an Reaktionen anderer zu orientieren“, erläutert der Experte.
Genau deshalb beeinflussen andere Menschen unser Denken und Handeln oft stärker, als wir glauben. Vorbilder, Erwartungen oder positives Feedback können motivieren und dazu beitragen, über sich hinauszuwachsen.
„Vergleiche sind nicht grundsätzlich negativ. Sie helfen vielen Personen, Ziele zu setzen, neue Perspektiven zu entdecken oder sich weiterzuentwickeln. Problematisch wird es erst dann, wenn der eigene Wert ständig davon abhängt, wie andere urteilen.“
Vergleichsprozesse im digitalen Alltag
Social Media verstärken diese Mechanismen, weil Anerkennung dort messbar wird. Likes, Kommentare und Reichweite erzeugen schnell das Gefühl, bewertet zu werden.
Plattformen wie Instagram oder TikTok zeigen rund um die Uhr scheinbar „perfekte“ Leben, Erfolge und Ideale. Dabei bleibt oft unsichtbar, dass viele Inhalte inszeniert, bearbeitet oder bewusst ausgewählt sind.
„Besonders Jugendliche und Heranwachsende vergleichen sich dadurch mit unrealistischen Maßstäben“, erklärt Michael von Kunhardt.
Aus Inspiration wird schnell Druck. Warnzeichen dafür sind Selbstzweifel, schlechte Stimmung nach dem Scrollen oder das Gefühl, nie genug zu sein. „Wenn Anerkennung nur noch über Likes und Aufmerksamkeit funktioniert, kann das langfristig das Selbstwertgefühl belasten.“
Wie ein gesunder Umgang mit Anerkennung gelingt
Andere Menschen werden uns immer beeinflussen, und das ist nicht automatisch schlecht. Entscheidend ist, ob Vergleiche motivieren oder dauerhaft verunsichern.
„Ein bewusster Umgang mit Social Media kann helfen, Grenzen zu setzen“, so der Experte.
„Dazu gehört, Inhalte kritisch zu hinterfragen, digitale Pausen einzulegen und das Konzept von ‚Perfektion‘ aus seinem Leben zu streichen.“
Wer nach dem Scrollen regelmäßig mit schlechter Stimmung zurückbleibt, sollte den eigenen Feed wie einen Kleiderschrank ausmisten:
- Was passt noch zu mir?
- Was kratzt?
- Was macht mich kleiner?
Accounts, die Druck auslösen, können stummgeschaltet oder durch Inhalte ersetzt werden, die stärken, informieren oder guttun.
Von anderen über sich lernen
Aufschlussreiche Impulse kann ein Perspektivwechsel geben.
„Statt sich zu fragen ‚Warum bin ich nicht so weit wie diese Person?‛, lässt sich der Vergleich in eine neugierige Frage umwandeln: Was genau inspiriert mich daran? Ist es Mut, Leichtigkeit, Disziplin, Stil oder Freiheit?“, erklärt Michael von Kunhardt. „So wird aus Neid ein Hinweis auf eigene Wünsche.“
Wer merkt, dass bestimmte Inhalte immer wieder Druck auslösen, kann daraus sogar einen eigenen Werte-Kompass ableiten und eine persönliche Bucketliste erstellen: Was möchte ich wirklich, und was möchte ich nur, weil es gerade gut aussieht?
„Raus aus dem Streben nach Anerkennung, das ist die Königsdisziplin“, weiß der Experte.
Das bedeutet nicht, Lob oder Wertschätzung abzulehnen, sondern den eigenen Wert nicht davon abhängig zu machen.
„Genauso wichtig ist es, persönliche Fortschritte stärker wahrzunehmen als den vermeintlichen Vorsprung anderer. Echte Beziehungen außerhalb sozialer Netzwerke können dabei helfen, Anerkennung wieder dort zu erleben, wo sie nicht von Likes, Filtern oder Reichweite abhängt.“
Kurzprofil:
Michael von Kunhardt ist Speaker, Mentalcoach und Experte für Spitzenleistungen und mentale Stärke. Er arbeitet mit Profisportlern, Nationalmannschaften und Olympiasiegern ebenso wie mit internationalen Top-Unternehmen und DAX-40-Konzernen.
Als Gründer der von Kunhardt Akademie am Schloss in Dehrn begleitet er Führungskräfte, angehende Speaker, Coaches und Buchautoren sowie Privatmenschen in ihrer persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung.
Der Erfahrungsschatz des diplomierten Wirtschaftswissenschaftlers mit zusätzlichem Studium in Sport und Soziologie gründet auf einer langjährigen Erfahrung im Leistungssport: 15 Jahre Hockey-Bundesliga, mehrfacher Deutscher Meister sowie seit 2011 kontinuierlich Spieler der Senioren-Hockeynationalmannschaft.
Wer gern mehr erfahren möchte, findet weitere Informationen direkt unter https://www.vonkunhardt.de/