Erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko bei entzündlichen Darmerkrankungen

Zusammenhang zwischen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) und verschiedenen kardiovaskulären Erkrankungen?

Ein systematischer Review mit Metaanalyse über 14 Studien fand, dass Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. Die Wahl moderner Therapien kann dieses Risiko jedoch beeinflussen und sollte daher individuell abgewogen werden.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) sind mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CV) verbunden. Moderne Therapien mit Biologika, welche zur Behandlung von CED eingesetzt werden, könnten dieses Risiko beeinflussen.

CED, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und CED-Medikamente: Zusammenhang?

Das Ziel einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse aus Australien war es, den Zusammenhang zwischen chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, den angewandten Therapien und kardiovaskulären Risiken zu untersuchen. 

Hierzu wurden die Datenbanken Medline, Embase, Scopus und Web of Science im Zeitraum von Januar 2000 – November 2023 durchsucht. Eingeschlossen wurden Studien, welche den Zusammenhang zwischen CED und den kardiovaskulären Endpunkten Herzinfarkt, ischämische Herzkrankheit, Schlaganfall und schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse untersuchten.

Systematischer Review mit Metaanalyse über 14 Studien

Insgesamt wurden 14 Studien ausgewertet, welche kardiovaskuläre Endpunkte untersuchten. Von den 2 232 375 eingeschlossenen Teilnehmern litten 10,8 % an einer CED, das durchschnittliche Alter betrug 47,3 Jahre, 48,4 % waren Männer. 

Die Ergebnisse konnten zeigen, dass CED signifikant mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt (Hazard Ratio, HR: 1,29; 95 % Konfidenzintervall, KI: 1,07 – 1,56; I² = 0,87), ischämische Herzkrankheit (HR: 1,16; 95 % KI: 1,01 – 1,33; I² = 0,60), Schlaganfall (HR: 1,15; 95 % KI: 1,09 – 1,20; I² = 0,30) und schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (HR: 1,19; 95 % KI: 1,09 – 1,30; I² = 0,81) assoziiert war. 

Die Inzidenzunterschiede für MACE (Ereignisse pro 1 000 Patientenjahre) in 16 Vergleichsstudien variierten: Unter Tofacitinib traten 90,3 weniger Ereignisse im Vergleich zu Placebo auf, während in der Vedolizumab-Gruppe 17,9 mehr Ereignisse im Vergleich zu Behandlungen mit TNF-α-Inhibitoren beobachtet wurden.

Herz-Kreislauf-Risiken sollten in der CED-Therapie berücksichtigt werden

Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen haben demnach ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, ischämische Herzkrankheit, Schlaganfall und schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse.

Diese Erkenntnisse unterstreichen laut der Autoren die Bedeutung, bei der Behandlung von CED das Herz-Kreislauf-Risiko zu berücksichtigen und die Auswahl fortgeschrittener Therapien, insbesondere im Hinblick auf Wirkstoffe wie TNF-α-Inhibitoren, Vedolizumab und Tofacitinib, sorgfältig abzuwägen.

Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass eine individuell abgestimmte Therapie die Gesundheit auch über die CED hinaus unterstützen kann.

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Original Titel:
Association between inflammatory bowel disease, current therapies, and cardiovascular events: a review and meta-analysis of data from 2.2 million individuals

Autor:
Thomas DR, Huangfu G, Yeaman F, Sukudom S, Lan NSR, Dwivedi G, Thin L. Association between inflammatory bowel disease, current therapies, and cardiovascular events: a review and meta-analysis of data from 2.2 million individuals. J Crohns Colitis. 2025 May 8;19(5):jjaf078. doi: 10.1093/ecco-jcc/jjaf078. PMID: 40333172.