Training hilft bei psychischen Erkrankungen
Psychische Erkrankungen sind weit verbreitet und belasten die Betroffenen sehr.
Neben psychotherapeutischer und medikamentöser Behandlung hat körperliches Training positive Effekte. Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten bestätigen dies.
Etwa 30 Prozent der Menschen leiden im Lauf ihres Lebens an einer Depression, Angststörung, posttraumatischen Belastungsstörung oder Schizophrenie, manchmal auch an mehreren Erkrankungen.
Therapeutische Hilfe besteht in Psychotherapie und/oder medikamentöser Versorgung.
Wenn zu dieser Standardtherapie auch noch gezielte körperliche Bewegung kommt, hilft es den Patientinnen und Patienten ebenfalls. Zahllose Studien der letzten Jahre zeigen eindeutig, dass psychisch Erkrankte von Sport profitieren.
Eine deutsche Studie von 2024 (ImPuls) untersuchte 400 ambulante Teilnehmer zwischen 18 und 65 Jahren, die unter Depressionen, Schlaflosigkeit, Agoraphobie („Platzangst“), Panikstörungen und posttraumatischen Belastungsstörungen litten.
Nicht untypisch für diese Erkrankungen handelte es sich um körperlich inaktive Erwachsene.
Die Hälfte der Patientinnen und Patienten bekam nur die Standardtherapie, die andere Hälfte nahm zusätzlich an sportlichen Gruppenübungen teil.
Dabei steigerten sich die Teilnehmer beim körperlichen Training innerhalb eines halben Jahres von durchschnittlich 17 Minuten pro Woche auf mehr als 90 Minuten.
Die körperliche Aktivität war abwechslungsreich gestaltet, sie rangierte zwischen mäßig und intensiv.
Bereits nach sechs Monaten ging es den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit Sportprogramm deutlich besser als der Vergleichsgruppe.
Die Schwere der Symptome ging deutlicher zurück. Die Überlegenheit des zusätzlichen Trainings hielt auch nach 12 Monaten noch an.
Eine andere Metastudie stellte fest, dass körperliche Aktivität, die strukturiert, geplant, wiederholend und auf Verbesserung der körperlichen Fitness ausgerichtet ist, nicht nur die körperliche Gesundheit fördert, sondern auch psychische Symptome lindert. Konkret wurden angstlösende Effekte genannt und die Verringerung von Angstsymptomen.
Andere Forscher gehen davon aus, dass es durch die Kombination von Bewegung und Standardtherapie sogar zu Synergieeffekten kommt. Das heißt, dass die Gesamtwirkung größer ist als die Summe dereinzelnen Effekte.
Eine Analyse von 41 Studien mit insgesamt 2.264 Teilnehmern kommt zu dem Ergebnis, dass Gruppentraining mit moderater Intensität und Ausdauertraining bei Depressionen wirksam ist und deshalb angeboten werden sollte
Demnach werden große Effekte bei Personen mit schwerer depressiver Störung erzielt.
Zu sehr konkreten Empfehlungen kommt eine weitere Metaanalyse von Studien mit insgesamt 6.456 Teilnehmern.
Demnach ist Krafttraining besonders wirksam bei Angststörungen. Krafttraining und Ausdauerübungen wie Gehen, Laufen und Radfahren lindern nach dieser Analyse depressive Symptome.
Bei posttraumatischen Belastungsstörungen sollen „Körper-Geist-Bewegungen“ helfen wie Tai-Chi, Yoga oder Tanz. Die Kombination von Kraft- und Ausdauertraining hat demnach vorteilhafte Effekte bei Schizophrenie.
Fast die Hälfte der Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen hat auch kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebsarten, die durch Adipositas begünstigt werden, und eine verkürzte Lebenserwartung, stellen die Autoren dieser Metaanalyse fest.
Eine effektive und wirtschaftliche Behandlung sei dringend erforderlich.
Bewegungsprogramme können hier zweifellos ein wichtiger Baustein sein. Zumal es durch Antipsychotika langfristig oft zu Gewichtszunahme kommt, wäre es sinnvoll, die medikamentöse Therapie direkt mit einem Bewegungstraining zu verbinden.
Die Schön Klinik Roseneck, eine Fachklinik für Psychosomatik, hat hierzu ein erfolgreiches Pilotprojekt durchgeführt.
Während des stationären Aufenthalts wurde die multimodale Therapie mit durchschnittlich drei Trainingseinheiten pro Woche ergänzt. Nach rund sieben Wochen zeigte sich eine deutliche Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit und eine Verminderung der Depressivität.
Quelle:
Deutsches Grünes Kreuz - www.dgk.de
Nachweise:
• https://www.thelancet.com/action/showPdf?pii=S2215-0366%2824%2900069-5
• https://link.springer.com/article/10.1186/s40798-022-00529-5
• https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36731907/
• https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0165032721010028?via%3Dihub
• https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0165178121003437?via%3Dihub
• https://link.springer.com/article/10.1007/s15202-025-6564-0
• https://link.springer.com/article/10.1007/s15202-025-6639-y