Stottern überwinden – frei sprechen

Wie eine Stottertherapie Blockaden löst und flüssigeres Sprechen ermöglicht

Stottern ist mehr als eine Störung des Redeflusses – es beeinflusst das Selbstbewusstsein, kann die Berufswahl einschränken und erschwert oftmals den Alltag der Betroffenen. 

Die neurologisch bedingte Sprechstörung äußert sich in Wiederholungen, Dehnungen oder Blockierungen von Lauten und Silben. Für viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene bedeutet das nicht nur eingeschränkte Sprechflüssigkeit, sondern auch eine emotionale Belastung in Schule, Beruf und sozialen Situationen. 

Umso wichtiger ist es für Betroffene, mit Therapiemaßnahmen entgegenzuwirken sowie eine kontrollierte und flüssigere Sprechweise zu erlernen. 

„Die komplexe Sprechstörung ist zwar nicht heilbar, doch eine gezielte Stottertherapie kann die Sprechkontrolle deutlich verbessern“, erklärt Dr. Alexander Wolff von Gudenberg, Ärztlicher Leiter des KST Instituts und selbst betroffen. „Sie hilft dabei, neue Sprechmuster zu entwickeln und mehr Sicherheit in Kommunikationssituationen zu gewinnen.“

Methoden und Ansätze in der Stottertherapie

Eine Stottertherapie ist ein gezielter Therapieansatz für Menschen, die Schwierigkeiten haben, flüssig zu sprechen. 

Ziel ist es, die Sprechflüssigkeit der Betroffenen zu verbessern, Sprechängste abzubauen und die alltägliche Kommunikation nachhaltig zu erleichtern. Hierzu gibt es verschiedene wissenschaftlich untersuchte und anwendbare Methoden. 

Eine Herangehensweise ist das sogenannte „Fluency-Shaping“, also die Sprechweise zu restrukturieren. So ändert der Betroffene seine Sprechweise, indem er beispielsweise langsamer redet und Wortanfänge besonders weich sprich

Eine weitere Methode ist die Stottermodifikation. Dabei spricht die betroffene Person zunächst wie gewohnt und lernt schrittweise, das Stottern bewusst zu kontrollieren. 

Kommt es zu einer Sprechblockade, wird gezielt die Anspannung reduziert, bis die Kontrolle über den Redefluss wiedererlangt ist. Ein weiterer Bestandteil bei dieser Methodik ist es, sich gegen die Angst vor dem Stottern unempfindlich zu machen. Dazu zählen Situationen, die das Aufkommen der Symptome begünstigen, wie zum Beispiel ein Referatsvortrag vor der Schulklasse. 

„Bei der Kasseler Stottertherapie trainieren Betroffene gezielt Alltagssituationen“, erklärt Wolff von Gudenberg. „So erhält der Patient beispielsweise die Aufgabe, einkaufen zu gehen und beim Bäcker eine Bestellung aufzugeben.“

Ambulante, stationäre oder intensive Therapieformen

Grundsätzlich werden Stottertherapien in unterschiedlichen Formen angeboten. Man unterscheidet dabei zwischen ambulanter, stationärer und intensiver Therapie. In der ambulanten Variante besucht die stotternde Person in der Regel ein- bis zweimal pro Woche eine logopädische Praxis. 

Die stationäre Therapie ist deutlich umfangreicher angelegt: Hier verbringen die Patienten mehrere Wochen in einer spezialisierten Klinik oder Therapieeinrichtung, wo sie umfassend und strukturiert behandelt werden. Eine weitere Möglichkeit stellt die Intensivtherapie dar: Dies ist eine mehrtägige bis mehrwöchige Behandlung, die meistens in einer Kombination aus Einzel- und Gruppensitzungen durchgeführt wird. 

Im Vergleich zur stationären Therapie muss die Intensivtherapie nicht zwingend mit einem Klinikaufenthalt verbunden sein, zeichnet sich aber durch eine besonders hohe Therapiedichte in kurzer Zeit aus. Sie hat den Vorteil, dass sich die Betroffenen während des Lernprozesses gegenseitig unterstützen und voneinander lernen können.

„So fühlen sie sich nicht allein, sondern als Teil einer Gemeinschaft von Menschen mit ähnlichen Erfahrungen“, so Wolff von Gudenberg.

Flüssigeres Sprechen durch gezielte Techniken und Identifikation

Mit den angewendeten Methoden und erlernten Sprechtechniken sind viele Stotternde nach Abschluss der Stottertherapie in der Lage, sich spontan und flüssig zu äußern. „So kann sich die Person in zukünftigen Unterhaltungen vollständig auf den Inhalt konzentrieren, den er vermitteln möchte, und gleichzeitig den inneren Druck durch mögliche Stottersymptome reduzieren“, betont Wolff von Gudenberg.

Therapiebeginn im Kindesalter erleichtert den Behandlungserfolg

Gerade im Kindes- oder Schulalter profitieren Betroffene von einem frühen Therapiebeginn. Das liegt daran, dass der Sprechapparat und das Sprachzentrum noch flexibel sind, wodurch neue Sprechmuster leichter erlernt werden.

Das frühzeitige Erlernen von Werkzeugen zur Bearbeitung des Stotterns sowie ein freier und offener Umgang mit den Unflüssigkeiten kann außerdem Vermeidungsverhalten und Sprechängsten vorbeugen.

In der Regel handelt es sich hierbei um Kinder im Alter von etwa drei bis zwölf Jahren. Bei Jugendlichen und Erwachsenen kommt der Erfolg oft langsamer und erfordert mehr Übung. Dennoch: Intensive Programme zeigen auch bei diesen Altersgruppen deutliche Verbesserungen der Sprechkontrolle.

Weitere Informationen unter www.kasseler-stottertherapie.de