hkk-Gesundheitsreport: Neue Diabetesmedikamente auf dem Vormarsch – Versorgungspotenziale bleiben
Weltdiabetestag am 14. November 2026
Menschen mit Typ-2-Diabetes erhalten zunehmend Medikamente aus neueren Wirkstoffgruppen. Metformin bleibt jedoch der am häufigsten eingesetzte Wirkstoff. Das zeigt der aktuelle hkk-Gesundheitsreport, den das aQua-Institut im Auftrag der hkk Krankenkasse anlässlich des Weltdiabetestags am 14. November erstellt hat. Auf Basis von Abrechnungsdaten untersucht der Report die Arzneimittelversorgung in den Jahren 2016 bis 2024 und vergleicht sie mit den Empfehlungen der Nationalen Versorgungsleitlinie (NVL).
Im Jahr 2024 hatten 5,9 Prozent der hkk-Versicherten ab 14 Jahren die Diagnose Typ-2-Diabetes. Zum Vergleich: Das Robert Koch-Institut (RKI) gibt für die Gesamtbevölkerung eine Erkrankungshäufigkeit von 8,6 Prozent an. Dieser Unterschied lässt sich vor allem durch die vergleichsweise jüngere Versichertenpopulation der hkk im Vergleich zur Gesamtbevölkerung erklären. Wird die Alters- und Geschlechtsstruktur der Versicherten an die der Gesamtbevölkerung angeglichen, beträgt der Anteil der hkk-Versicherten mit Typ-2-Diabetes 8,1 Prozent.
Rund ein Drittel kommt ohne Medikamente aus
Die Grundlage der Behandlung von Typ-2-Diabetes bilden eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung und weitere Maßnahmen zur Veränderung des Lebensstils. Im Jahr 2024 kam etwa ein Drittel der hkk-Versicherten mit Typ-2-Diabetes (34,1 Prozent) ohne Medikamente aus. Rund zwei Drittel (65,9 Prozent) erhielten mindestens ein Diabetesmedikament.
„Besonders im frühen Krankheitsstadium lassen sich die angestrebten Blutzuckerwerte unter Umständen auch ohne Medikamente erreichen. Ein gesunder Lebensstil bleibt aber in jeder Phase der Behandlung wichtig, um das Risiko für Folgeerkrankungen zu senken“, sagt Dr. med. Robert Künzel vom hkk-Versorgungsmanagement.
Von den hkk-Versicherten mit Typ-2-Diabetes, die 2024 ein Diabetesmedikament erhielten, wurden 78,7 Prozent mit Metformin behandelt – allein oder in Kombination mit anderen Wirkstoffen. Damit bleibt Metformin ein zentraler Bestandteil der medikamentösen Therapie. Gleichzeitig gewinnen neuere Wirkstoffgruppen zunehmend an Bedeutung. Insbesondere SGLT2-Hemmer und GLP-1-Rezeptoragonisten haben seit 2016 an Bedeutung gewonnen. SGLT2-Hemmer waren 2024 die am häufigsten eingesetzte Wirkstoffgruppe nach Metformin.
Mögliche Versorgungslücke bei Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Begleiterkrankungen beeinflussen die Wahl der Diabetesmedikamente. Bei den hkk-Versicherten mit Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die ein Diabetesmedikament erhielten, bekamen nur 41,1 Prozent die im Report als leitlinienkonform ausgewiesene Kombination aus Metformin und einem SGLT2-Hemmer oder einem GLP-1-Rezeptoragonisten.
Auffällig ist zudem, dass der Anteil der Versicherten, die GLP-1-Rezeptoragonisten erhielten, nur etwa ein Drittel des Anteils der Versicherten mit SGLT2-Hemmern ausmachte. Beide Wirkstoffgruppen werden in den entsprechenden klinischen Situationen empfohlen.
Disease-Management-Programme unterstützen die Versorgung
Rund zwei Drittel aller hkk-Versicherten mit Typ-2-Diabetes nahmen 2024 an einem Disease-Management-Programm (DMP) teil. Typ-2-Diabetiker mit Begleiterkrankungen, die in ein DMP eingeschrieben waren, erhielten häufiger die empfohlenen Wirkstoffe als Versicherte in der Regelversorgung (35,7 Prozent gegenüber 15,5 Prozent). [1] „Das DMP für Typ-2-Diabetes bietet Betroffenen eine regelmäßige und engmaschige Betreuung. Es kann dazu beitragen, die Behandlung an aktuellen Empfehlungen auszurichten und mögliche Folgeerkrankungen frühzeitig zu erkennen“, sagt Künzel.
[1] Grundgesamtheit sind alle hkk-Versicherten ab 14 Jahren mit mindestens einer Diagnose einer kardiovaskulären Erkrankung, die entweder in der Regelversorgung waren oder an einem DMP teilnahmen. Eine weitere Einschränkung auf Versicherte mit medikamentöser Therapie erfolgte nicht.
Arzneimittelnutzen und Kosten in Einklang bringen
Die insgesamt verordnete Menge an Diabetesmedikamenten stieg zwischen 2016 und 2024 auf das 2,4-Fache. Dazu trug auch die gestiegene Zahl der hkk-Versicherten bei. Zwischen 2016 und 2024 ist der Pro-Kopf-Verbrauch von Antidiabetika bei Typ-2-Diabetikern ab 14 Jahren um 28 Prozent gestiegen, während die Arzneimittelausgaben pro Kopf um 190 Prozent zugenommen haben.
Neuere Wirkstoffe können insbesondere für Menschen mit Herz-Kreislauf- oder Nierenerkrankungen einen wichtigen therapeutischen Nutzen haben. Sie sind jedoch häufig mit höheren Kosten verbunden. Ziel muss daher sein, die Behandlung am individuellen Bedarf auszurichten und zugleich die Wirtschaftlichkeit der Versorgung sicherzustellen.
„Eine gute Versorgung braucht sichere und wirksame Medikamente zu angemessenen Preisen. Im internationalen Vergleich sind die Arzneimittelpreise in Deutschland jedoch zu hoch“, sagt Sabrina Jacob, Geschäftsbereichsleiterin des Versorgungsmanagements der hkk.
„Der Gesetzgeber muss die Ausgaben insbesondere für patentgeschützte Arzneimittel konsequent senken. Weitere Ausnahmen vom gesetzlich vorgeschriebenen Preisabschlag der Hersteller gehen in die falsche Richtung: Sie belasten die gesetzliche Krankenversicherung und erschweren es, die Beitragssätze stabil zu halten“, so Jacob.
Bei allen Fragen zum Thema Diabetes können sich hkk-Versicherte bis Ende November rund um die Uhr an die medizinische Beratungshotline hkk med wenden. Die Beratung unter 0800 2555 445 ist für sie kostenlos.
Den vollständigen hkk Gesundheitsreport „Medikamentöse Versorgung bei Typ-2-Diabetes“ finden Sie unter: https://www.hkk.de/studien-und-reports/hkk-gesundheitsreport