Erhöhtes Risiko für chronische Darmentzündungen bei COPD

Wissenschaftler untersuchten, wie häufig Personen mit und ohne COPD an einer chronischen Darmentzündung erkrankten

Patienten mit COPD hatten ein höheres Risiko, an den chronischen Darmentzündungen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa zu erkranken, als Personen ohne COPD. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler, indem sie die Daten von mehreren Millionen Südkoreanern auswerteten.

Besonders deutlich war das erhöhte Risiko bei einer schweren COPD.

Eine Krankheit kann das Risiko für eine weitere Krankheit erhöhen. Es gibt Hinweise darauf, dass Patienten mit Atemwegserkrankungen ein erhöhtes Risiko für chronische Darmentzündungen (Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa) aufweisen.

Wissenschaftler aus Südkorea leisteten nun einen weiteren Beitrag zu dieser Thematik, indem sie das Erkrankungsrisiko zwischen Patienten mit COPD und Personen ohne COPD verglichen.
Wissenschaftler verglichen Personen mit und ohne COPD

Die Wissenschaftler konnten mit Hilfe der nationalen Krankenversicherungsdatenbank auf die Daten von 1.303.021 COPD-Patienten und 6.515.105 Vergleichspersonen ohne COPD zurückgreifen.

Die Patienten mit COPD wurde je nach Schwere ihrer Erkrankung in zwei Gruppen eingeteilt: milde COPD und schwere COPD.

Die Wissenschaftler interessierten sich dafür, wie häufig bei den verschiedenen Gruppen eine chronische Darmentzündung auftrat. Mit Hilfe statistischer Analysen verglichen die Wissenschaftler das Erkrankungsrisiko der verschiedenen Personengruppen.

COPD-Patienten erkrankten häufiger an einer chronischen Darmentzündung

Bei der Analyse der Daten fiel den Wissenschaftlern auf, dass Patienten mit COPD signifikant häufiger an einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung erkrankten als Personen ohne COPD (Inzidenzrate: 9,98 vs. 7,18 pro 100.000 Personenjahre, p < 0,001).

Statistischen Analysen zufolge hatten Patienten mit COPD ein 1,38-mal so großes Erkrankungsrisiko (aHR: 1,38; 95% CI: 1,25-1,52).

Das erhöhte Risiko galt sowohl für Morbus Crohn als auch für Colitis ulcerosa.

Auffällig war, dass Patienten mit einer scheren COPD häufiger an einer chronischen Darmentzündung erkrankten als Patienten mit einer milden COPD (Inzidenzrate: 12,39 vs. 9,77 pro 100.000 Personenjahre, p < 0,001).

Statistische Analysen bestätigten, dass die Schwere der COPD mit einem erhöhten Risiko für chronische Darmentzündungen zusammenhing.

Patienten mit einer schweren COPD hatten im Vergleich zu den Personen ohne COPD ein 1,7-mal so hohes Erkrankungsrisiko (aHR: 1,70; 95% CI: 1,27-2,21), während Patienten mit einer milden COPD ein 1,35-mal so großes Erkrankungsrisiko (aHR: 1,35; 95% CI: 1,22-1,49) aufwiesen.

Patienten mit COPD hatten somit ein größeres Risiko, an einer chronischen Darmentzündung zu erkranken, als Personen ohne COPD.

Das erhöhte Risiko galt sowohl für Morbus Crohn als auch für Colitis ulcerosa. Bei Patienten mit einer schweren COPD war das erhöhte Risiko für die chronische Darmentzündung besonders deutlich. Das erhöhte Risiko sollte bei der Betreuung der Patienten berücksichtig werden, um eventuell frühzeitig eine Behandlung beginnen zu können.

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Original Titel:
Risk of inflammatory bowel disease in patients with chronic obstructive pulmonary disease: A nationwide, population-based study

Autor:
Lee J, Im JP, Han K, Park S, Soh H, Choi K, Kim J, Chun J, Kim JS. Risk of inflammatory bowel disease in patients with chronic obstructive pulmonary disease: A nationwide, population-based study. World J Gastroenterol. 2019 Nov 14;25(42):6354-6364. doi: 10.3748/wjg.v25.i42.6354.