Schmerzen stillen durch Berührung

Händchenhalten durch einen vertrauten Menschen hilft  

Israelische Forscher fanden heraus, dass sich in Gegenwart eines geliebten Menschen Schmerzen besser ertragen lassen. Verstärkt wird diese schmerzlindernde Wirkung durch Berührung wie das Halten der Hand und Einfühlungsvermögen.  

Die Forscher untersuchten den Einfluss unterstützenden Verhaltens bei Paaren. Hielt der Mann seiner Frau bei einem schmerzhaften Ereignis die Hand, dämpfte es tatsächlich die Schmerzen. Je größer das Einfühlungsvermögen des Mannes dabei war, desto stärker war der schmerzlindernde Effekt bei seiner Partnerin. Interessanterweise wirkte sich derselbe körperliche Kontakt mit einem fremden Mann bei den Frauen nicht auf ihr Schmerzempfinden aus.   

„Unsere Ergebnisse zeigen einen synergistischen schmerzlindernden Effekt von Berührung und Empathie, der beim Schmerzmanagement zum Beispiel während der Geburt eingesetzt werden könnte“, schreiben Irit Weissman Fogel und ihre Kollegen von der Universität Haifa.

Eine frühere Studie habe ergeben, dass die Gegenwart des Partners in 60 Prozent der Fälle die Geburtsschmerzen vermindert. Die Forscher gingen der Frage nach, von welchen Faktoren es abhängt, wie stark die betäubende Wirkung eines direkten körperlichen Kontaktes ist. An der Studie beteiligten sich 23 heterosexuelle Paare, die im Schnitt seit vier Jahren zusammen waren. Die Männer und Frauen waren 19 bis 40 Jahre alt.  

Zunächst wurde bei allen Paaren ermittelt, welche Qualität ihre romantische Beziehung hat. Bei der späteren Auswertung wurde dieser mögliche Einflussfaktoren mitberücksichtigt. Ein weiterer Fragebogen diente dazu, die Empathiefähigkeit der Männer zu messen – also die Fähigkeit, Gefühle wie Trauer, Freude oder Schmerz anderer Menschen zu erkennen und nachzuempfinden.

Die Forscher erzeugten bei den Frauen Schmerzen durch einen Hitzereiz am Unterarm. Die Schmerzstärke bewerteten die Versuchsteilnehmerinnen auf einer Skala von 0 bis 100 mit 60. Vor Beginn der eigentlichen Experimente lernten die Männer diesen Schmerz einmal selbst kennen.

Dann musste jede Frau den Hitzeschmerz in vier unterschiedlichen Situationen erleiden:
Zuerst allein, dann in Gegenwart ihres Partners – aber ohne körperlichen Kontakt, dann Händchen haltend mit ihrem Partner und zuletzt mit einem fremden Mann, der die Hand der Frau hielt. Jeweils im Anschluss daran beurteilten die Frauen die Stärke des gerade erlebten Schmerzes und die Männer schätzten, wie stark der Schmerz für die Frau gewesen sein könnte.  

Dabei zeigte sich, dass Körperkontakt nicht grundsätzlich hilft. Wenn ein Fremder die Hand hielt, waren die Schmerzen ähnlich stark wie die allein empfundenen Schmerzen. Aus älteren Studien weiß man, dass der soziale Stress, den wir in der unmittelbaren Nähe von Fremden empfinden, Empathie unterdrückt.  

Wenn hingegen der eigene Partner die Hand hielt, hatte das einen stark betäubenden Effekt. War der Partner lediglich anwesend, aber ohne Körperkontakt, war dieser Effekt deutlich geringer. Außerdem ergab sich ein eindeutiger Zusammenhang mit dem Einfühlungsvermögen des Mannes: Je größer die Empathie, desto stärker die schmerzdämpfende Wirkung des Körperkontaktes.   

Indem Väter bei der Geburt ihres Kindes die Hand ihrer Partnerin halten, könnten sie offenbar mehr dazu beitragen, Schmerzen zu verringern, als wenn sie nur anwesend sind. Aber die Erkenntnisse sind auch auf viele andere Situationen übertragbar, bei denen körperliche Schmerzen eine Rolle spielen.

Mitgefühl zeigen, einem Freund die Hand auf die Schulter legen, eine herzliche Umarmung: all ist also mehr als eine nette Geste. Es hilft.   

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auch beim Deutschen Grünen Kreuz - www.dgk.de


Quellen:
1. Wissenschaft aktuell vom 16. August 2016: Händchenhalten dämpft den Schmerz http://www.wissenschaftaktuell.de

 2. „Empathy predicts an experimental pain reduction during touch“, Pavel Goldstein et al.; Journal of Pain, DOI: 10.1016/j.jpain.2016.06.007