Wissenswertes über Süßstoffe PDF Drucken E-Mail

Süßstoffe sind nicht nur in den Industrienationen wie Deutschland in aller Munde

Verzehrserhebungen zufolge nehmen täglich mehr als eine Milliarde Menschen Süßstoffe auf. Dennoch haben viele Menschen Angst vor ihnen, da diese Produkte zu den Lebensmittelzusatzstoffen gehören und das Image von Zusatzstoffen grundsätzlich schlecht ist. Über keinen Lebensmittelzusatzstoff gibt es so viele haltlose Behauptungen wie über Süßstoff.

Süßstoffe gehören zur Gruppe der Süßungsmittel und der Zusatzstoffe. Sie schmecken „süßstoffsüß“ und nicht „zuckersüß“ und haben in der Regel auch keine weiteren Zuckereigenschaften. Stevia ist als süßschmeckendes Pflanzenteil in vielen Ländern beliebt. Die Pflanze selbst müsste als Novel Food zugelassen werden.

Aus der Stevia Pflanze gewonnene Produkte (Stevioside) müssen als Süßstoff zugelassen werden. Momentan sind Stevia und Stevioside in Deutschland nicht zugelassen, es ist aber in naher Zukunft damit zu rechnen.

Leider führt der Stevia-Anbau zu massiven Schäden in den tropischen Anbaugebieten. Zusätzlich ist der Geschmack nicht rein süß. Daher muss es mit anderen Süßungsmitteln gemischt werden, um einen optimalen Geschmack zu erzielen.

Die in Deutschland zugelassenen Süßstoffe sind zwischen 30 und 3.000 mal so süß wie Zucker (Saccharose). Außerdem fördern sie im Gegensatz zu Zucker nicht die Entstehung von Karies. Paradoxe Behauptungen, wie z.B. Süßstoff wäre für die Entstehung von Hunger oder Appetit oder gar die Entstehung von Übergewicht verantwortlich, halten sich beständig, auch wenn eine Vielzahl von Studien das Gegenteil beweist.

Andererseits gibt es auch Behauptungen, dass Süßstoffe schlank machen. Studien beweisen, dass der Geschmack süß nicht zur Insulinfreisetzung führt – das Gegenteil konnte übrigens niemals bewiesen werden.

Süßstoff – entdeckt und verboten
Der deutsche Chemiker Prof. Dr. Constantin Fahlberg entdeckte in den Jahren 1878 und 1879 zusammen mit dem US-amerikanischen Chemiker Prof. Dr. Ira Remsen an der Johns Hopkins University in Baltimore den Süßstoff Saccharin. Das Wort Saccharin leitet sich vom griechischen Wort für Zucker (sakcharon) ab. 1886 eröffnete Fahlberg in Salbke bei Magdeburg die erste Saccharinfabrik der Welt.

Bereits 1898 kam es durch Proteste der Landwirtschaft und der Zuckerindustrie zum ersten Süßstoffgesetz (Süßstoff-Prohibition), das die Produktion, den Import und die gewerbliche Verwendung von Saccharin unter Strafe stellte.

In der Europäischen Union sind momentan acht Süßstoffe zugelassen:

  • Acesulfam-Kalium (E-950), 130 – 200 x süßer als Zucker, entdeckt von Karl Clauß (1967)
     
  • Aspartam (E-951), 200 x süßer als Zucker, entdeckt von James M. Schlatter (1965)
     
  • Aspartam-Acesulfam-Salz (E-962), 350 x süßer als Zucker
     
  • Cyclamat (E-952), 30 – 50 x süßer als Zucker
     
  • Saccharin (E-954), 300 – 500 x süßer als Zucker, entdeckt von Constantin Fahlberg / Ira Remsen (1878)
     
  • Sucralose (E-955), 600 x süßer als Zucker, entdeckt von Shashikant Phadnis (1975)
     
  • Thaumatin (E-957), 2.000 – 3.000 x süßer als Zucker, Erstbeschreibung 1855
     
  • Neohesperidin-Dihydrochalcon (E-95), 400 – 600 x süßer als Zucker, entdeckt von Horowitz und Gentili (1963)

Durch Mischung verbessert sich die Geschmackswirkung und es kommt zu einer Synergie: Eine Süßstoffmischung ist süßer als die addierte Süßkraft der Einzelstoffe in der Mischung. Süßstoff ist als Tablette, in flüssiger Form und als Streusüße im Handel erhältlich.

Flüssige Süßstoffe eignen sich hervorragend zum süßen von kalten und warmen Getränken, Milchprodukten oder Obstspeisen. Süßstofftabletten sind praktisch zum Süßen von warmen Getränken und Streusüße kann Zucker bei vielen Speisen ersetzen.

Da Süßstoff im Vergleich zu Zucker keine konservierende Eigenschaft hat, sind süßstoffgesüßte Konfitüren nicht so gut haltbar. Außerdem gibt er bei Teigen kaum Masse und hat keine guten Backeigenschaften. Daher sollte bei Kuchenteigen maximal die Hälfte der angegebenen Zuckermenge durch Süßstoff ersetzt werden.

Die Süßkraft einer Tablette entspricht einem Stück Würfelzucker oder einem Teelöffel Zucker. Ein Löffel Streusüße süßt so stark wie ein Teelöffel Zucker.

Die Süßkraft von Flüssigsüßstoffen entspricht durchschnittlich einem Teelöffel Zucker pro Tropfen – die Dosierungsangaben auf der Verpackung sollten beachtet werden.

Autor:
Sven-David Müller

Quellen und wissenschaftliche Belege zum Thema Süßstoff:
www.springerlink.com/content/0gx90hrh2kvgj3lk/
cebp.aacrjournals.org/cgi/content/abstract/18/8/2235
annonc.oxfordjournals.org/cgi/content/abstract/18/1/40
www.efsa.europa.eu/EFSA/efsa_locale-1178620753812_1211902454236.htm
www.efsa.europa.eu/EFSA/efsa_locale-1178620753812_1211902454309.htm
www.efsa.europa.eu/EFSA/efsa_locale-1178620753812_1178620765743.htm