Ein neues Gefühl für die eigene Weiblichkeit PDF Drucken E-Mail

Die Geburt kann Auswirkungen auf Menstruation und Körper haben – daran müssen sich viele Frauen erst gewöhnen

Frauen erleben ihren Körper nach der Geburt von einer ungewohnten und oft auch unerwarteten Seite.

Sie spüren, dass sich in ihnen etwas verändert hat:
Die Beckenbodenmuskulatur ist geschwächt, der Scheidenverlauf leicht verändert und die Regelblutung häufig stärker als zuvor. Das ist zwar vollkommen normal, verunsichert aber viele junge Mütter, die nun ganz behutsam ein neues Körpergefühl für sich entdecken müssen.

Während der Geburt erleben Frauen, welche extremen Belastungen ihr Körper meistern kann: Das Baby dehnt auf seinem Weg durch den Geburtskanal mit seinem Köpfchen Vaginalmuskeln, Bindegewebe und Nerven um ein Vielfaches. Diese Anstrengungen durchzustehen, erfordert enorme Kräfte – und geht an der Mehrzahl der Frauen nicht spurlos vorbei. Kleine, oberflächliche Risse im Bereich der Scheide und des Damms sind sehr häufig, tiefere Verletzungen eher selten.

Auch wenn die Geburt schnell und unkompliziert verlief, haben viele Frauen daher das Bedürfnis, erst einmal alles in Ruhe heilen zu lassen. Die Gedanken an ihren Intimbereich schieben sie von sich. „Junge Mütter sind oft verunsichert, weil Vagina und Scheidenverlauf nach der Geburt etwas anders aussehen und sich vor allem ungewohnt anfühlen“, sagt Dr. Ingeborg Voß-Heine, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe. „Das ist vollkommen natürlich und liegt daran, dass die Beckenbodenmuskulatur nicht mehr so fest und straff ist.“

Die gesamte Schwangerschaft über haben spezielle Hormone das im Vaginalbereich und im Beckenbereich verborgene Muskelgeflecht weich und dehnbar gemacht, damit das Baby möglichst leicht durch den Geburtskanal gleitet.

„Nach der Geburt fehlt vielen Frauen zunächst das Gefühl für das Muskelgeflecht des Beckenbodens. Bei einer Kontrolluntersuchung bei ihrem Frauenarzt oder ihrer Frauenärztin sollte die Beckenbodensituation beurteilt werden, um die richtigen Maßnahmen zu ergreifen. Mit professionell angeleitetem Training und etwas Geduld bessert sich das in den meisten Fällen“, so die Expertin.

Ein vorsichtiges Herantasten, fast wie in der Pubertät
Dass sich ihr Körper leicht verändert hat, erleben viele junge Mütter auch, wenn ihre Menstruation erneut einsetzt. Denn die Regelblutung dauert oft länger und ist stärker geworden.

„Den Müttern zeigt das Wiedereinsetzen der Menstruation, dass sich der gewohnte Rhythmus wieder einspielt“, sagt Dr. Ingeborg Voß-Heine.

Je nachdem ob und wie intensiv sie stillen, kann das bereits nach vier Wochen sein oder erst nach einigen Monaten, oft auch erst nach Ende der Stillzeit.

Viele Frauen sind sich unsicher, ob sie nach Geburten Tampons verwenden können.
„Während des Wochenflusses sollten nach Meinung der meisten Infektionsexperten nur spezielle Vlieseinlagen verwendet werden“, erklärt Dr. Ingeborg Voß-Heine. „Ist der Wochenfluss abgeklungen und tritt dann die erste Menstruation ein, spricht nichts dagegen wieder Tampons zu verwenden.“

Oft benötigen junge Mütter jedoch Tampons, die mehr Flüssigkeit aufnehmen können und zusätzlichen Schutz bieten. Für sie eignen sich Tampons wie o.b. Flexia mit weichen und flexiblen Schutzflügeln. Diese entfalten sich sanft und passen sich so der individuellen Form der Scheide an. Sie helfen Flüssigkeit aufzufangen, die bei herkömmlichen Tampons vorbeilaufen kann.

Auch wenn keine medizinischen Einwände gegen die Verwendung von Tampons vorliegen, sind junge Mütter oft etwas zögerlich, wieder ihr gewohntes Hygieneprodukt zu benutzen.

„Da die Scheide nach Geburten sehr empfindlich ist und sich ihr Verlauf leicht verändert haben kann, sollten sie ganz behutsam ausprobieren, den Tampon einzuführen“, sagt Dr. Voß-Heine. „Viele Frauen fühlen sich da fast ein bisschen in ihre Pubertät zurückversetzt. Ein sanftes Beckenbodentraining kann ihnen dabei helfen, sich sicherer und selbstbewusster zu fühlen.“

Die eigene Mitte stärken
Jede Frau, die ein Kind geboren hat, sammelt zudem ihre ganz individuellen Erfahrungen mit der neuen Weiblichkeit. Gerade im Wochenbett haben manche Frauen ein Weite- oder Schweregefühle im Vaginalbereich.

Fast ein Drittel  der jungen Mütter hat zudem durch die geschwächte Beckenbodenmuskulatur eine leichte Blasenschwäche entwickelt und verliert beim Husten oder Niesen ungewollt Urin.

Ein gezieltes Training der wichtigen Muskelgruppe im Inneren ist daher wichtig.

„Erste, einfache Übungen können Mütter sich bereits im Wochenbett von ihrer Hebamme zeigen lassen. Sie lernen behutsam, ihre Beckenbodenmuskulatur wieder wahrzunehmen, und können sie dann später effektiv trainieren“, sagt Dr. Ingeborg Voß-Heine. „Gibt es Komplikationen, sollte die Beckenbodensituation vom Frauenarzt oder von der Frauenärztin überprüft werden.“

Auch wenn die neue Weiblichkeit etwas Gewöhnung bedarf – die meisten jungen Mütter wollen diese Erfahrungen nicht missen. Rund 80 Prozent empfinden die körperlichen Veränderungen, die sie während Schwangerschaft und Geburt erleben, im Nachhinein als positiv.

Sechs Mythen, die junge Mütter nicht verwirren sollten

„Je weniger trainiert der Beckenboden ist, desto besser.“
Im Gegenteil: Frauen mit gut trainiertem Beckenboden können das Muskelgeflecht meist besser bewusst an- und entspannen und sie entwickeln seltener eine Blasenschwäche.

„Nach der Geburt purzeln die Kilos ganz fix.“
Fakt ist: Ist das Kleine auf der Welt, sind auch meist direkt fünf bis sieben Kilo weg. Doch der Rest hält sich erfahrungsgemäß etwas hartnäckiger. Stillen kann die Gewichtsabnahme begünstigen, weil der Köper dabei viel Energie verbrennt. Junge Mütter dürfen aber nicht vergessen, dass der Körper neun Monate lang Höchstleistung gebracht hat, um Raum für das wachsende Leben zu schaffen. Um sich wieder umzustellen, braucht er noch einmal so viel Zeit.

„Wer stillt, braucht keine Verhütung.“
Stimmt nicht. Stillen schützt nicht vor einer erneuten Schwangerschaft. Zwar haben stillende Mütter ihren ersten Eisprung meist später als Frauen, die das Fläschchen geben. Das kann auch einmal erst bis zu sechs Monate nach der Geburt sein. Doch der genaue Zeitpunkt lässt sich nicht vorhersagen. Daher sollten auch stillende Mütter verhüten – zum Beispiel mit Kondomen, der östrogenfreien Pille oder der Spirale.

„Stillen fördert einen straffen Busen.“
Nein, das ist vom Bindegewebe der Frau abhängig. Ob der Busen nach der Schwangerschaft wieder so aussieht wie vorher, lässt sich nicht voraussagen. Wichtig für stillende Mütter ist es aber, nicht von heute auf morgen, sondern langsam abzustillen. So kann sich das prall gefüllte Milchdrüsengewebe nach und nach zurückbilden. Auch Wechselduschen stärken das Bindegewebe.

„Nach der Geburt soll man keine Tampons verwenden.“
Stimmt nicht: Tampons sollten nur während des Wochenflusses nicht verwendet werden, also in den ersten vier bis sechs Wochen nach der Geburt. Ist das Wundsekret versiegt, können Tampons wieder ganz normal verwendet werden. Meist dauert es jedoch ein bisschen, bis die Menstruation wieder einsetzt: Je nachdem wie intensiv gestillt wird, kann das einige Monate bis zu einem Jahr dauern.

„Durch die Geburt wird die Vagina weiter.“
Nein, keine Sorge: Die Vagina ist elastisch und die Erweiterung der Scheide bildet sich binnen kurzer Zeit nach der Geburt wieder zurück. Der Verlauf der Scheide kann sich aber etwas verändert haben, so dass sich das Einführen von Tampons gegebenenfalls etwas anders anfühlt. Gut zu wissen: Ein geschwächter Beckenboden kann auch die Kraft und Elastizität der Scheide mindern. Beckenbodentraining ist daher auch für sie wichtig.

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